Hochwasserkatastrophe: Bangen vor der Sintflut - DER SPIEGEL
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Hochwasserkatastrophe Bangen vor der Sintflut

Das Wetter wird besser in Deutschland, doch die Flut steigt weiter. Nachdem sich die Situation in Bayern entspannt hat, wälzen sich die Wassermassen durch Sachsen-Anhalt. Auch in Sachsen ist die Katastrophe noch nicht durchgestanden. Dort ist die Zahl der Toten auf sechs gestiegen.
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Dresden/Berlin - In den frühen Morgenstunden des Mittwochs ergoss der Fluss Mulde seine Fluten in die sachsen-anhaltinische Kleinstadt Jeßnitz in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bitterfeld. Jeßnitz war nach Angaben der Feuerwehr unmittelbar vor der Ankunft der Flutwelle evakuiert worden. Auch die Bewohner einer Siedlung am Stadtrand von Bitterfeld seien gewarnt worden.

Die Stadt Dessau in Sachsen-Anhalt evakuierte den Behörden zufolge in der Nacht 4000 Menschen aus drei Stadtteilen, die an der Mulde liegen. Anders als zunächst erwartet erhöhte sich der Pegelstand des Flusses einer Behördensprecherin zufolge während der Nacht nicht und verharrte bei vier Metern. Das sei noch nicht gefährlich, sagte die Sprecherin am Morgen. Ein Höhepunkt der Flut werde am Vormittag erwartet. Normalerweise betrage der Wasserstand 1,60 Meter. Zwischen Bitterfeld und Dessau fließt die Mulde in zahlreichen Windungen durch Auen und Feuchtgebiete, die wie ein natürlicher Schwamm wirken. Hinter Dessau mündet sie in die Elbe.

Sachsen: 95 Verletzte und zahlreiche Vermisste

In Sachsen rechneten die Einsatzkräfte am Mittwoch mit einem weiteren Anstieg der auch aus tschechischen Zuflüssen gespeisten Elbe um 50 Zentimeter. In Dresden gingen Hochwasserexperten von einem maximalen Pegelstand von 7,70 Metern aus, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Bis Dienstagnachmittag war die Elbe hier auf mehr als sieben Meter angestiegen und hatte das Zentrum der Stadt überflutet.

Unter den Toten seien drei Personen noch nicht identifiziert, sagte der Sprecher. Ein 70-jähriger und ein 80-jähriger Mann ertranken den Angaben zufolge auf ihren Grundstücken in Pirna und Dippoldiswalde. Eine 68-Jährige sei beim Wasserschöpfen im Keller ihres Hauses in Dresden einem Kreislaufversagen erlegen. Im Laufe der Nacht wurden den Angaben zufolge 95 Verletzte registriert. Die meisten von ihnen seien leicht verletzt.

Zur Zahl der Vermissten gab es unterschiedliche Angaben. Das Innenministerium teilte mit, zwei Männer seien vermisst. Einer von ihnen war den Angaben zufolge mit drei weiteren Schaulustigen mit einem Schlauchboot in Glauchau gekentert. Zuvor hatte es geheißen, Augenzeugen hätten bei acht Menschen beobachtet, wie sie von den Fluten mitgerissen worden seien. Der Landkreis Weißeritz gab die Zahl der hier vermisst Gemeldeten mit 20 an. Darunter seien vier Kinder, sagte eine Sprecherin.

In Grimma an der Mulde wurden dem Dresdner Sprecher zufolge auch in der Nacht Anwohner mit Booten und Hubschraubern in Sicherheit gebracht. Im weiter flussabwärts liegenden Eilenburg im Muldentalkreis seien die Menschen aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hatte am Abend zuvor von der schwersten Hochwasserkatastrophe in der Geschichte des Landes gesprochen. In 14 Landkreisen und kreisfreien Städten Sachsens war Katastrophenalarm gegeben worden. Strom- und Telefonnetze waren vielerorts unterbrochen. Die Bundesregierung hat Hilfen angekündigt, über die am Mittwoch in Berlin beraten werden sollte.

Aus allen Teilen der Republik rückten Einsatzkräfte zur Mithilfe an. Allein in Sachsen waren offiziellen Angaben zufolge 10.000 Menschen im Einsatz.

Bayern: Entspannung an den Oberläufen des Regens

In Bayern entspannte sich die Lage in der Nacht an den Oberläufen des Flusses Regen, der in Regensburg in die Donau fließt. Regensburg selbst erwartete am Morgen eine weitere Verschärfung der Lage. Der Scheitel der Hochwasserwelle befand sich dem Landesamt für Wasserwirtschaft zufolge im Raum Nittenau auf halbem Wege von Cham nach Regensburg.