Hochzeit nach dem Terrorangriff: Das Leben geht weiter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hochzeit nach dem Terrorangriff Das Leben geht weiter

Die Trümmer des World Trade Center in New York haben am 11. September nicht nur mehr als 2800 Menschen begraben. Mit den Opfern starben auch die Zukunftsträume vieler Hinterbliebenen. Nun hat nach Medienberichten die erste Witwe eines Terroropfers wieder geheiratet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg/ New York - Die Braut trägt Weiß. Das Hochzeitsfoto, veröffentlich unter anderem in der "New York Post", zeigt die strahlende Laura Mardovich, 41, an der Seite ihres Mannes. Nichts Besonderes, so scheint es. Ein frisch vermähltes Paar eben. Doch so einfach ist das nicht. Es ist das zweite Mal, dass Laura Mardovich eine Ehe eingeht.

Ihr erster Mann, Edward, starb am 11. September beim Terrorangriff auf das World Trade Center, am Morgen nach ihrem 16. Hochzeitstag. Dass Ed nicht mehr nach Hause kommen würde, glaubte Laura Mardovich lange nicht. Ende September sagte sie gegenüber der Internet-Nachrichtenseite "Newsday.com": "Meine Kinder haben immer noch Hoffnung, und ich auch. Ob das richtig oder falsch ist, weiß ich nicht, aber wir werden immer hoffen, dass er wieder nach Hause kommt."

Seine Leiche wurde nicht gefunden - trotz intensiver Spurensuche konnten die Ermittler in den Trümmern der Zwillingstürme nur 773 Opfer eindeutig identifizieren.

Kurz nachdem die entführte American-Airlines-Maschine um 8.46 Uhr in den Nordturm gerast war, hatte der Präsident einer Investment-Firma seine Frau angerufen. Laura bat ihn, sein Büro im 84. Stock des Südturms zu verlassen. Doch er sagte: "Ich bin am sichersten Platz, an dem ich sein könnte. Es wird nichts weiter passieren. Fahr nach Hause, hier in der Stadt wird es ein Chaos geben."

Nun, gut sieben Monate nach dem schrecklichen Ereignis, gab die Witwe und Mutter von vier Kindern Robert Balemian, einem alten Freund der Familie und ebenfalls Witwer, das Ja-Wort.

Die "New York Post" hatte berichtet, dass einige Freunde und Familienangehörige die Eheschließung zum jetzigen Zeitpunkt nicht für angebracht hielten. Schließlich hätten Laura und Ed eine Traumehe geführt. Eine Verwandte wird mit den Worten zitiert: "Ich kann verstehen, dass sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen wollte. Auch ich wollte, dass sie wieder heiratet. Aber ich hätte nie gedacht, dass sie es auf diese Weise tut."

Bedenken, dass die Trauerzeit möglicherweise zu kurz gewesen sein könnte, hatte der Priester, der die beiden in der vergangenen Woche traute, offenbar nicht. Er sagte, er freue sich ganz besonders für dieses Paar.