Höhlendrama: Dynamit brachte den Durchbruch - DER SPIEGEL
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Höhlendrama Dynamit brachte den Durchbruch

Nach drei Tagen in einer engen Höhle sind die Schweizer Studenten frei und bereits zu ihren Familien zurückgekehrt. Nach Fels-Sprengungen war das Wasser schnell abgeflossen. Die Tour-Veranstalter wehren sich gegen den Vorwurf des Leichtsinns.
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Goumois - Das Höhlen-Drama im französischen Jura hat ein glückliches Ende genommen: Nach drei Tagen in Dunkelheit und Kälte wurden die sieben eingeschlossenen Studenten und ihre Führerin am Samstagabend gerettet. Die Strapazen haben sie gesund, wenn auch müde und entkräftet, überstanden.

Am Sonntag wurden die Schweizer im Krankenhaus zweimal untersucht. Weil die Untersuchung rundum positiv ausfiel, wurden sie entlassen und kehrten zu ihren Familien zurück.

Mit Jubel und Applaus empfangen

In unermüdlichem Einsatz hatten die rund 260 Rettungskräfte einen Fluchtweg für die Gruppe freigeschlagen. Sie brachen in Jubel und Beifall aus, als die erste Gruppe der Eingeschlossenen, drei Frauen, am Samstag kurz nach 20 Uhr an die Oberfläche kam. Gleich darauf folgte die zweite Gruppe, die aus fünf Männern bestand.

Einige der Geretteten, die alle von Schlamm bedeckt ans Tageslicht krochen, ließen ihren Tränen freien Lauf. "Danke für die Hilfe, danke für alles", sagte ein Student in eine Fernsehkamera. Eine der Studentinnen erklärte, die Gruppe habe die Stunden unter Tage mit Spielen, Singen und Aerobic überstanden. Die Zeit sei sehr hart gewesen, weil die meisten nur für höchstens eine Stunde Schlaf gefunden hätten.

Die Rettung der Schweizer aus ihrem Zufluchtsort rund 75 Meter vom Höhleneingang entfernt hatte sich am Samstag immer wieder verzögert, weil das Wasser in der Höhle Bief-du-Paroud bei Goumois nahe der Schweizer Grenze langsamer abfloss als erwartet. Zunächst setzten die Einsatzkräfte zusätzliche Wasserpumpen und gegen 18 Uhr schließlich an einer engen Stelle Sprengstoff ein.

Dann ging alles sehr schnell: Durch Höhlengänge und einen von den Rettern gegrabenen Schacht gelangten die acht an die Oberfläche. Sie mussten gut zehn Meter weit durch knietiefes Wasser waten und danach einen rund vierzig Meter langen Gang durchqueren. "Sie konnten gut gehen, wir mussten ihnen nicht helfen. Sie kamen ganz alleine hinaus", sagte ein Retter. Die Gruppe verließ die Höhle durch einen zweiten Ausgang, der am Freitag freigesprengt worden war.

"Wir wollen es so machen, dass die jungen Leute so trocken wie möglich herauskommen," hatte Gehin noch am Nachmittag gesagt. "Das heißt, wenn möglich mit dem Kopf über Wasser." Weil die Helfer einen Tauchgang über zwanzig Meter unbedingt vermeiden wollten, hatte Gehin mit einer Rettung erst spät in der Nacht gerechnet. Doch schon um 20.20 Uhr konnten die wartenden Sanitätsmannschaften die Gruppe in Empfang nehmen.

Die Eingeschlossenen - Studenten der Zürcher Schule für Soziale Arbeit und ihre Führerin - hatten während der Rettungsbemühungen in einer trockenen Nische ausgeharrt. Der erste Kontakt zu der Gruppe, die am Mittwochabend in der Höhle von einem Wassereinbruch überrascht worden war, gelang bereits am Freitagvormittag. Am Samstagmorgen waren noch Taucher zu der Gruppe vorgedrungen und hatten sie mit Nahrung, trockener Kleidung und einem geheizten Zelt versorgt. Sogar eine Telefonleitung zur Außenwelt wurde installiert.

Haben die Veranstalter das Risiko unterschätzt?

Die Tour in die Höhle war Teil eines Kurses "Erlebnispädagogik" der Zürcher Fachhochschule. Die Bürgermeisterin von Goumois, Jeanne-Marie Taillard, sagte, die Gruppe habe sich möglicherweise leichtsinnig verhalten: "Sie haben die Risiken vielleicht unterschätzt, denen sie sich ausgesetzt haben." Sie hätten das Gewitter vom Mittwoch und die tagelangen Regenfälle nicht als Warnzeichen genommen. Die Niederschläge seien im April viermal so ergiebig wie der Durchschnitt gewesen, sagte Taillard. Bei schönem Wetter sei die Höhle nicht gefährlich, fügte sie hinzu. Im Sommer werde sie ein bis zweimal pro Woche von Gruppen begangen.

Der Chef des Höhlentour-Veranstalters Altamira, Valentin Vonder Mühll, wehrte sich gegen Kritik, der Höhlengang sei leichtsinnig gewesen. Der Einsatzleiter Thierry Boillat bestätigte in einem Interview mit der "SonntagsZeitung", die Höhle sei gut geeignet für kleine Touren, da sie normalerweise nicht gefährlich sei. Es bringe nichts, die Höhle zu sperren, sagte er. Der Gruppenleiterin attestierten die Retter eine ruhige und umsichtige Betreuung der Studenten. Sie hatte die unerfahrenen Wanderer zum Hohlraum geführt.

Die Helfer hätten noch eine sehr schwere Nacht vor sich, sagte Didier Pasian, technischer Berater der Aktion. "Wir müssen noch die ungeheure Menge an Material zurückholen, die im Höhleninnern installiert wurde. Für uns gibt es nochmals gut 24 Stunden Arbeit." 18 Pumpen liegen noch im schlammigen Untergrund. Die Kosten trägt normalerweise die Gemeinde, in der ein Unfall geschieht. Eine ähnliche Höhlenrettung von sieben Eingeschlossenen im Zentralmassiv hatte im vergangenen November 840.000 Franc (250.000 Mark) gekostet.