Höhlendrama: Jetzt Einsatz von Dynamit? - DER SPIEGEL
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Höhlendrama Jetzt Einsatz von Dynamit?

Um die acht in einer französischen Höhle eingeschlossenen Studenten zu befreien, planen die Retter eine Sprengung. Damit wollen sie den Abfluss erweitern und so den Wasserstand senken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Besancon - Seit über 65 Stunden warten die acht Schweizer in der Höhle auf ihre Befreiung. Angesichts der starken Strömung im engen Höhlengang sei jeder Einsatz von Tauchern vorerst zu gefährlich, sagte am Samstag ein Sprecher des Krisenstabs der Präfektur am Unfallort.

Die Retter planen jetzt den Einsatz von Dynamit. So wollen sie den Wasserablauf beschleunigen. Zwar habe sich der Wasserspiegel in den frühen Morgenstunden um 24 Zentimeter gesenkt, doch für eine Bergung mit möglichst geringem Risiko müsse der Stand noch um einen weiteren Meter fallen. Wie ein Mitglied des Rettungsteams versicherte, berge die Explosion keinerlei Gefahr für die Eingeschlossenen.

Über den Zeitpunkt der Bergung machte der Rettungsmann keine genauen Angaben: "Vielleicht heute Nachmittag, vielleicht auch erst morgen." Wegen des andauernden Hochwassers in dem unterirdischen Gang musste die zuunächst für Freitagnacht geplante Rettung Stunde um Stunde hinausgeschoben werden.

Zwei Taucher drangen am Samstag in die Höhle ein, um den sieben Studenten und ihrer Führerin warme Kleidung, Essen und Wasser zu bringen. "Sie sind im Trockenen und guten Mutes", erklärte Alain Gehain, Präfekt der Region Doubs. Erstmals seit Beginn der Rettungsaktion schien am Samstag die Sonne, doch die Verantwortlichen befürchten neue Regenfälle.

Seit Mittwochabend sitzen die Eingeschlossenen aus Zürich in einem Hohlraum etwa 75 Meter vom Höhleneingang fest. Dort waren sie am Freitag aufgespürt worden. "Sie sind in guter körperlicher und seelischer Verfassung", bestätigte auch ein Notarzt am Samstag an der Unfallstelle. "Ihr größtes Problem ist die Wartezeit."

Ein kurzer Tauchgang, und der Rest ist "ein Kinderspiel"

Die fünf Männer und drei Frauen sollen mit Hilfe von Tauchern ins Freie gebracht werden, sobald der Wasserstand unter eine bestimmte Marke sinkt. Mit Tauchanzügen und Masken ausgerüstet sollen sie - geführt von einer Leine - einen etwa vier Meter langen, unter Wasser stehenden Höhlenabschnitt überwinden. "Sie würden etwa 30 Sekunden unter Wasser sein", sagte ein Sprecher der Retter. Der Rest des Weges an die Erdoberfläche sei "ein Kinderspiel" und führe durch einen eigens gebohrten, acht Meter hohen Schacht.

Die Bergung werde etwa drei bis fünf Stunden dauern, schätzt Joel Possiche, Vorsitzender der französischen Höhlenforschervereinigung. Zuvor sollen die Studenten nochmals medizinisch untersucht werden.

Die Studenten und ihre Gruppenleiterin waren am Mittwoch in die Höhle abgestiegen und wurden dort von einem plötzlichen Wasseranstieg überrascht. Alle sind Teilnehmer eines Kurses zum Thema "Erlebnispädagogik", bei dem es darum geht, Grenzen kennen zu lernen und Gruppenverhalten einzuüben.

Ursprünglich sollte der Ausflug in die Höhle vier Stunden dauern. Noch am Mittwochvormittag hatte eine andere Gruppe einen problemlosen Ausflug in die Höhle unternommen. Einige Stunden vor dem Abstieg der Züricher Gruppe ging in der Zone ein schwerer Gewitterregen nieder.