Höhlendrama: Zermürbende Ungewissheit - DER SPIEGEL
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Höhlendrama Zermürbende Ungewissheit

Die eingeschlossenen Schweizer müssen weiter in der Höhle ausharren. Weil das Wasser zu langsam abfließt, zögern die Retter mit der Evakuierung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Besancon - Nur noch vier bis sechs Zentimeter pro Stunde sinkt der Wasserspiegel in der Höhle im französischen Jura. Seit drei Tagen sind die sieben Studenten und ihre Führerin dort eingeschlossen. Für eine Bergung ohne Tauchgang wäre aber ein Rückgang von 120 Zentimetern notwendig. Und für Sonntag werden neuerliche Regenfälle vorausgesagt.

Wegen der zu geringen Erfahrung der Eingeschlossenen will die Rettungsmannschaft das Risiko eines Tauchgangs vermeiden. Die Bedingungen seien derzeit wegen des reißenden Wassers zu extrem, sagte der technische Berater Jacques Michel. Die fünf Männer und drei Frauen müssten beim Tauchgang eine Strecke von 25 Metern unter Wasser zurücklegen.

Im Laufe des Samstag war mit Hilfe von zusätzlichen Wasserpumpen und dem Einsatz von Dynamit versucht worden, das Abfließen des Wassers zu beschleunigen. Rund 75 Meter vom Höhleneingang entfernt hockt die Gruppe in einer trockenen Nische. Taucher rüsteten die Studenten am Morgen mit Nahrung, trockener Kleidung und einem geheizten Zelt aus. Auch eine Telefonleitung zur Außenwelt wurde installiert. Obwohl sie mit Ungeduld auf ihre Rettung warteten, sei ihre Moral weiterhin intakt, sagte Alain Gehin, Präfekt des Departements Doubs. Vor dem Höhleneingang sind Ambulanzen und zwei Helikopter stationiert.

Die Warterei zermürbt auch die Angehörigen und Freunde der Eingeschlossenen. "Jedes Mal, wenn eine neue Information kommt, denken wir, es passiert etwas, aber dann ist es doch wieder nichts", sagte Silvia Wyss von der Schule für Soziale Arbeit in einem Schweizer Radio.

Die Studenten hatten bei der Firma Altamira eine Tour durch die Höhle Bief-du-Paroud bei Goumois gebucht Sie sind Teilnehmer eines Kurses zum Thema "Erlebnispädagogik", bei dem es darum geht, Grenzen kennen zu lernen und Gruppenverhalten einzuüben. Nach ihrem Einstieg in die Höhle am Mittwochabend waren sie von plötzlich anschwellenden Wassermassen überrascht worden, worauf sie in eine trockene Nische in der Nähe einer Kaverne geflüchtet waren. Der erste Kontakt zu der Gruppe war am Freitagvormittag hergestellt worden.