Höxter-Opfer spricht von Vergewaltigung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mordprozess gegen Folterpaar Höxter-Opfer spricht von Vergewaltigung

Das Folterpaar von Höxter hat über Jahre Frauen gequält, zwei starben. Nun haben die Ermittler nach SPIEGEL-Informationen ein weiteres Opfer ausfindig gemacht - erstmals geht es um sexuelle Übergriffe.
Haus des Folterpaars in Höxter
Haus des Folterpaars in Höxter

Haus des Folterpaars in Höxter

Foto: Alexander Koerner/ Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vor dem Mordprozess im Fall Höxter gegen Wilfried W. und seine Exfrau Angelika W. gibt es neue Vorwürfe. Eines der mutmaßlichen Opfer sagte nach Informationen des SPIEGEL aus, es sei im Keller des Hauses von Wilfried W. vergewaltigt worden. Damit ist erstmals von sexuellen Übergriffen die Rede. Die Zeugin wurde erst vor wenigen Tagen ausfindig gemacht. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

In ihren Aussagen hatte Angelika W. von einer "Martina" aus Ostdeutschland erzählt, die 2011 zu ihnen gekommen sei. Die Frau sei unter anderem durch Schläge und Tritte gequält worden. Nach drei Wochen habe sie mit ihrem Ex-Mann das Opfer dann vor einem Plattenbau in einer Stadt im Harz in Sachsen-Anhalt abgesetzt.

Anklage wegen Mordes durch Unterlassen

In den vergangenen Monaten suchten die Ermittler mithilfe des Melderegisters nach "Martina" - und fanden sie. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen zweifachen Mordes durch Unterlassen gegen Wilfried W. und Angelika W. erhoben. Der Prozess beginnt voraussichtlich Ende Oktober.

Den Beschuldigten droht eine lebenslange Haft. Sie hatten über Kontaktanzeigen mindestens vier Frauen in das gemeinsame Haus nach Höxter gelockt, um sie zu quälen. Zwei Opfer starben nach einem Martyrium. Entkommen konnte neben "Martina" auch Christel P., die im Verfahren eine wichtige Zeugin ist.

Während Angelika W. von Anfang an mit den Ermittlungsbehörden kooperiert und umfassend ausgesagt hat, bestreitet Wilfried W. die ihm von seiner Ex-Frau zugeschriebene Rolle. Sein Bielefelder Verteidiger Detlev Binder sagte SPIEGEL ONLINE jüngst, sein Mandant sei Zeuge von Misshandlungen geworden. "Er sagt aber, dass er zu keinem Zeitpunkt selbst misshandelt hat."