Homo-Ehe Druck auf Cheneys lesbische Tochter
San Francisco - Der Streit hatte in den vergangenen Tagen Tausende auf die Straße getrieben, etliche Politiker der republikanischen Partei gaben sich empört. Doch nun lenken Demonstranten in der Debatte um die Legalisierung der Homo-Ehen ihren Zorn zunehmend gegen eine Prominente aus den eigenen Reihen: Mary Cheney, Tochter des US-Vizepräsidenten und bekennende Lesbe. Auf der eigens dafür eingerichteten Webseite www.DearMary.com wird sie von Aktivisten der Szene aufgerufen, sich gegen ein Verbot der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare einzusetzen.
Bis zu 25 000 Menschen besuchen die Internet-Seite laut Los Angeles Times täglich. Über 6000 persönlichen Botschaften posteten sie dort. Die meisten fordern Mary Cheney dazu auf, ihren Vater zum Familienrat zu rufen und ihn endlich zur für die Homo-Hochzeiten zu gewinnen.
Mary Cheney stand während des vergangenen Wahlkampfs ihrem Vater erstmals als Helferin zur Seite. Seit dem letzten Sommer ist sie als Vorsitzende von Cheneys Wiederwahl-Organisation tätig.
Etliche republikanische Politiker hatten die Ehen unter Homosexuellen in den vergangenen Tagen verdammt, auch George W. Bush hatte sich eingemischt. Der Präsident, ein entschiedener Gegner der Bewegung, erklärte sich "besorgt" über die Entwicklungen in der Westküstenstadt. Er will sich möglicherweise für einen Zusatz in der Verfassung stark machen, der Homo-Ehen verbieten würde.
Vizepräsident Cheney hatte im Wahlkampfjahr 2000 noch davon gesprochen, den Bundesstaaten die Entscheidung zu überlassen. Im vergangenen Monat erklärte Cheney, er werde die zukünftige Entscheidung des Präsidenten unterstützen. In den meisten Bundesstaaten, darunter auch Kalifornien, werden Ehen ausschließlich zwischen Mann und Frau definiert.
Am Wochenende hatte sich auch der neue kalifornische Gouverneur, Arnold Schwarzenegger, eingemischt. Da die Stadt gegen geltendes Recht verstoße, müsse Justizminister Bill Lockyer Klage erheben, sagte Schwarzenegger. Zuvor war der Versuch einer konservativen Gruppe, die Ausgabe von Trauscheinen an Homosexuelle in einem Eilverfahren zu stoppen, gescheitert. Damit kann San Franciso zunächst weitere gleichgeschlechtliche Paare trauen. Ein örtliches Gericht lehnte den Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Eheschließungen ab. Abschließend wird über die Rechtmäßigkeit der Homo-Ehen aber erst im Hauptverfahren entschieden werden. Die Stadt San Francisco hat seit Donnerstag vergangener Woche über 3.000 homosexuelle Paare getraut.