Honduras: Zehntausend Krokodilen droht der Hungertod - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Honduras: Hunger auf der Krokodilfarm

Foto: ORLANDO SIERRA/ AFP

Vermögen des Besitzers eingefroren Zehntausend Krokodile bekommen nichts zu fressen

Seit Wochen hungern auf einer Farm in Honduras etwa zehntausend Krokodile. Der Grund: US-Behörden haben die Konten der Besitzerfamilie eingefroren - wegen Verdachts auf Geldwäsche und Drogenhandel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das 30 Hektar große Gelände im honduranischen San Manuel trägt den Namen Cocodrilos Continental. Auf der Farm leben etwa zehntausend Krokodile. Noch. Denn seit Wochen bekommen die Tiere offenbar kaum etwas zu fressen.

"Die Krokodile verhungern", sagt ein Angestellter der Farm der Nachrichtenagentur AFP, "40 Tiere sind bereits verendet." Seinen Namen will der Mann nicht nennen. Seit zwei Wochen habe er keinen Lohn mehr erhalten, sagt er.

Die Krokodilfarm gehört den Rosenthals, einer mächtigen Familie in Honduras, die ihr Geld unter anderem mit Banken, Medien, Immobilien, Tourismus, Viehzucht und Landwirtschaft verdient. Seit Anfang Oktober ermitteln jedoch US-Behörden gegen den Clan um den 79-jährigen Patriarchen Jaime Rosenthal, seinen Sohn Yani und dessen Neffen Yankel - wegen Verdachts auf Geldwäsche und Drogenhandel.

Rosenthal-Clan galt als unantastbar

Die Vermögenswerte der Familie seien daraufhin eingefroren worden, berichtet AFP. US-Unternehmen dürfen demnach mit den Firmen der Rosenthals keinen Handel mehr treiben, eine Bank des Clans sei geschlossen worden, ebenso eine Zeitung, die der Familie gehörte. Yankel Rosenthal, ehemaliger Minister, wurde in Miami festgenommen.

Die Rosenthals, eine der reichsten Familien des Landes, galten lange Zeit als unantastbar. Jaime Rosenthal war Ende der Achtziger Vizepräsident von Honduras. Sein Sohn Yani hatte von 2006 bis 2009 einen Ministerposten in der Regierung.

Die Krokodilfarm ist zwar nicht direkt von den US-Sanktionen betroffen, doch die Auswirkungen sind auch dort zu spüren. Es fehlt offensichtlich an Geld, um die Tiere zu versorgen und die Arbeiter zu bezahlen, wie ein Mitarbeiter der honduranischen Forstbehörde sagt. Verwaltung und Tierschutzgruppen würden an einem Notfallplan arbeiten bis eine dauerhafte Lösung gefunden sei.

Kürzlich hatte die Forstbehörde der Farm eigenen Angaben zufolge anderthalb Tonnen Hähnchenfleisch zur Verfügung gestellt. Das helfe aber nicht besonders, da ein Krokodil pro Tag sehr viel Fleisch verschlinge, sagt ein Angestellter der Farm. "Aber immerhin wird etwas getan."

wit

Mehr lesen über