Hubschrauberabsturz in Kabul Die tragische Geschichte des Unglückspiloten Friedrich Deininger
Laupheim - Es dauerte eine ganze Zeit, bis sich die Nachricht in der Gegend um die Kaserne im baden-württembergischen Laupheim herumgesprochen hatte. Erst am Sonntag war durchgesickert, dass mehrere der in Kabul verunglückten sieben Bundeswehrsoldaten hier stationiert waren. Schließlich wurde bekannt, dass drei Soldaten aus der Kurt-Georg-Kiesinger-Kaserne bei dem Absturz in der afghanischen Hauptstadt um Leben gekommen waren: Der Pilot und zwei Soldaten im Alter von 24 und 28 Jahren.
Einer der Toten ist der 53-jährige Hauptmann Friedrich Deininger, der am Steuer des Unglückshelikopters saß. Der Soldat galt als einer der erfahrensten deutschen Heeresflieger, mehr als 7000 Flugstunden hatte der zweifache Familienvater schon absolviert. Die Sikorsky CH-53 war "sein Baby", wie Soldaten aus der Kaserne sagen - Soldatenjargon für seine Lieblingsmaschine.
Dass der Einsatz in Afghanistan gefährlich ist, war für Friedrich Deininger sicher nicht unbekannt. Immer wenn Soldaten des Heeresfliegerregiments 25 in den letzten Jahren bei einem Auslandseinsatz waren, war auch Friedrich Deininger dabei. Egal ob in Kroatien, im Kosovo oder während des Golfkriegs zur humanitären Hilfe für geflüchtete Kurden im Irak - der Hauptmann war immer am Steuer seiner Maschine.
Der Tod des 53-jährigen ist mehr als tragisch. Denn Friedrich Deininger wollte schon lange weg sein aus Kabul. "Eigentlich wollte er Silvester mit seiner Familie verbringen, sagte Oberstleutnant Michael Schilberg der Deutschen Presse Agentur. Nur für eine Überbrückungszeit von drei Wochen sei der Pilot noch einmal eingesprungen.
Kein Draufgänger à la Top Gun
Hört man den Kameraden des getöteten Hauptmanns zu, bekommt man ein besseres Bild des Mannes, der für die Bundeswehr im Ausland arbeitete. Demnach war Friedrich Deininger nicht nur ein erstklassiger Pilot des Heeresfliegerregimentes 25 "Oberschwaben" aus Laupheim. Er galt auch als sehr fürsorglicher Mensch und als väterlicher Typ.
In Oberschwaben und in seinem Heimatdorf Gutenzell-Hürbel im Kreis Biberach war Deininger nicht zuletzt auch wegen seines Engagements für das Theater bekannt. Von 1998 bis 2000 war er in der Nachbarstadt Ochsenhausen Spielleiter eines Amateurtheaters. Für die "Schwäbische Zeitung" berichtete der Pilot von seinen Auslandseinsätzen. Der 53-Jährige wäre Ende April 2003 pensioniert worden.
Für die Menschen in Laupheim - einer 20.000 Seelen-Gemeinde im Kreis Biberach - ist der Unfall im fernen Kabul ein Schock. "Es ist, als wenn aus dem Herzen der Stadt ein Stück herausgerissen worden wäre", sagte Bürgermeisterin Monika Sitter am Montag bei einer Trauerfeier mit Angehörigen, Soldaten, Bürgern und Politikern im Laupheimer Rathaus. Irgendwie kennt fast jeder Laupheimer jemanden aus der nach dem ehemaligen Bundeskanzler Kiesinger benannten Kaserne am Rande der Stadt, welche das 1971 gegründete Heeresfliegerregiment beherbergt.
Mittlerweile kommen immer mehr Laupheimer ins Rathaus, um sich in das Kondolenzbuch einzutragen. In der Stadt wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Eine zentrale Trauerfeier für alle sieben Opfer des Unglücks soll wahrscheinlich auf dem Flughafen Köln-Wahn stattfinden.