WERBUNG Hure oder Mutter
In der vergangenen Woche hat die französische feministische Bewegung »La Meute« erstmalig einen Preis gegen sexistische Werbung verliehen. Den »Macho« erhielt die Dessousmarke »Barbara«. Unter dem »prämierten« Bild des Models mit laszivem Blick stehen abwechselnd zwei Sprüche. Entweder: »Wenn ich eine Abfuhr kriege, dann ziehe ich meinen Pulli aus« oder »Meinem Bankier ist es lieber, wenn ich entblößt bin«. Den kritischen Preis - dem deutschen Medienpreis »saure Gurke« vergleichbar - vergibt La Meute, deren »Manifest gegen Sex-Werbung« seit September 2000 über 3000 Frauen und Männer unterschrieben haben. Die preisgekrönte Werbung wurde ausgewählt, weil sie »billige Anmache propagiere«, so »Meute«-Rudelführerin Florence Montreynaud: »Ein solches Plakat gehört zum Bilderbuch des Machismus, das sich auf Straßenmauern ausbreitet.« Montreynaud kritisiert Frankreich als »zurückgebliebenes Land, das Frauen entweder die Rolle der Hure oder der Mutter« verordne. Die Werbung mache die Sexualität ("diese wunderbarste Sache der Welt") zur Prostitution. Vorbild für La Meute sind die Preise »Eméritas« und »Déméritas«, die in Québec zwischen 1981 und 1989 verliehen wurden. »Dort haben Werbeagenturen ganze Budgets verloren, wenn sie auf der Déméritas-Liste standen«, frohlockt Montreynaud. Für den französischen Preis erhofft sie sich »bald dasselbe Gewicht«.