Hurrikan "Charley" "Es sieht aus wie in einer Kriegszone"
Punta Gorda - Besonders schwer wurde die Kleinstadt Punta Gorda im Bezirk Charlotte getroffen. Dort hatte der gigantische Wirbelsturm der Stärke 4 das Land mit voller Wucht getroffen. Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 230 Kilometern pro Stunde raste der Hurrikan über die 15.000-Einwohner-Stadt hinweg. Auf dem Flugplatz wurden Kleinflugzeuge durch die Luft gewirbelt. Das Krankenhaus wurde so schwer beschädigt, dass Patienten verlegt werden mussten. "Es sieht aus wie in einer Kriegszone", berichtet der Herausgeber der Zeitung "Charlotte Sun", Buddy Martin. "Überall liegen Stromleitungen, Straßenschilder, abgerissene Teile von Dächern, riesige Bäume wurden entwurzelt. Wo man hinsieht, Zerstörung."
Hurrikan: Charley hinterlässt ein Schlachtfeld
Etliche Häuser stürzten ein, die oftmals in Leichtbausweise erstellten Gebäude konnten den Windböen nichts entgegensetzen. Wie Kartenhäuser wurden die Häuser auseinander gerissen, Wände, Dächer, Mobiliar - nichts hielt der Naturgewalt stand. In Arcadia wurde das Dach einer Notunterkunft abgerissen, in der 1200 Menschen Schutz gesucht hatten. "Das ist das Albtraum-Szenario, von dem wir seit Jahren gesprochen haben", sagte der Leiter des nationalen Hurrikan-Zentrums, Max Mayfield.
Der Direktor des Katastrophenmanagements in Charlotte Harbor, Wayne Sallade, beklagte, dass die Meteorologen die Schwere des Hurrikans bis unmittelbar vor dessen Ankunft unterschätzt hätten. "Sie sagen seit Jahren, dass sie die Intensität von Wirbelstürmen nicht gut vorhersagen können. Leider haben wir das jetzt erfahren."
Bestätigt wurden bislang drei Todesfälle aus anderen Regionen Floridas, in denen es zu sintflutartigen Regenfällen kam. Wie viele Menschen in Punta Gorda starben, ist bislang noch nicht bekannt. Ein Sprecher des Bezirks Charlotte sprach von einer "erheblichen" Zahl von Toten, die in den Trümmern von Wohnmobilen vermutet würden. Schon vor Morgengrauen standen in Punta Gorda Rettungs- und Bergungsmannschaften bereit und reihten sich Krankenwagen auf. Hunderte Menschen werden vermisst und Tausende sind obdachlos. Bereits in der Nacht zum Freitag waren auf Kuba vier Menschen durch den Hurrikan gestorben, zwei von ihnen, als ihre Häuser über ihnen zusammenstürzen.
In mehr als einer Million Haushalte im gesamten Staat fiel der Strom aus. Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, rechnete mit Schäden in Höhe von mehr als 15 Milliarden Dollar. US-Präsident George W. Bush erklärte die Region zum Katastrophengebiet. "Charley", der an Floridas Ostküste bei Daytona Beach wieder aufs Meer traf, zieht nun in abgeschwächter Form entlang der Atlantikküste von Georgia in Richtung Norden. Im US-Staat South Carolina, wo der Sturm voraussichtlich wieder an Land trifft, wurden für einige Küstenabschnitten Evakuierungen angeordnet. In North Carolina verhängte Gouverneur Mike Easley vorsorglich den Notstand.