Hurrikan "Ernesto" bedroht Süden Floridas
Ausgerechnet zum Jahrestag der "Katrina"-Katastrophe, bei der fast 1500 Menschen starben, bedroht ein neuer Hurrikan die amerikanische Küste. Der tropische Sturm "Ernesto", zwischenzeitlich ein Hurrikan der Stufe 1, werde wahrscheinlich am Dienstag Florida erreichen, teilte das National Hurricane Center in Miami mit. Allerdings sei eher der Süden bedroht. Der Gouverneur von Flordia, Jeb Bush, rief am Sonntag vorsorglich den Notstand aus, berichtete der Nachrichtensender Fox News.
Mit einer vorausgesagten Stärke 3 würde "Ernesto" die gleiche Stärke haben wie "Katrina" am 29. August 2005 und mit mehr als 200 Stundenkilometern über die Keys hinwegbrausen. US-Behörden forderten heute Touristen auf den Florida Keys wegen des Hurrikans zum sofortigen Verlassen der Inselkette an der Südspitze des Bundesstaates auf. Tausende Menschen ergriffen die Flucht vor dem herannahenden Wirbelsturm.
Experten fürchten, dass "Ernesto" den Golf von Mexiko mit den US-Ölförderanlagen heimsuchen könnte. Der Öl-Konzern BP zog deswegen ein Drittel seiner Arbeiter aus dem Golf von Mexiko ab. Die Produktion sei von der Evakuierung der 800 Mitarbeiter nicht betroffen, teilte BP mit. Die Fördermenge des Konzerns im Golf betrug 2005 im Schnitt 214.000 Barrel pro Tag. Ein Barrel sind etwa 159 Liter. Aktienhändler sagten, "Ernesto" werde kommende Woche sicher auch Auswirkungen auf die Börsen haben.
Am Sonntag legte "Ernesto" innerhalb kurzer Zeit deutlich an Stärke zu. Gegen Mittag wurde er auf der ersten von fünf Stufen der Saffir-Simpson-Skala geführt, die die Intensität von Hurrikanen beschreibt. Der US-Bundesstaat Louisiana wurde nach Angaben von Gouverneurin Kathleen Lanco in Alarmbereitschaft versetzt. Am Nachmittag bewegte sich der Hurrikan auf Haiti zu - er entwickelte Windstärken bis zu 120 Kilometer pro Stunde. Am Sonntagabend wurde "Ernesto" wieder zu einem Tropensturm herabgestuft. Die Windgeschwindigkeiten seien unter 119 Kilometer pro Stunde gefallen, teilten Experten mit. Jedoch wurde erwartet, dass er wieder an Stärke gewinnen wird. "Ernesto" befand sich rund 185 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince.
Die Behörden dort gaben eine Hurrikan-Warnung heraus. Im Lauf des Sonntags wurde dort sowie in der Dominikanischen Republik mit schweren Regenfällen gerechnet. Vor zwei Jahren hatte der Tropensturm "Jeanne" auf Haiti rund 3000 Menschen das Leben gekostet. Dem National Hurrican Center zufolge dürfte der Hurrikan am Montag Kuba erreichen. Dann könnte der Wirbelsturm bereits Stufe zwei erreicht haben, was Windgeschwindigkeiten bis 177 Kilometern pro Stunde bedeutet. In Kuba begannen die Behörden mit der Evakuierung zehntausender Menschen, die in der Hurrikan-Gefahrenzone leben.
Jamaika, die Cayman-Inseln und Kuba gaben Hurrikan-Vorwarnungen heraus. Meteorologen warnten, sobald der Sturm den Golf von Mexiko mit seinen warmen Gewässern erreiche, könne er noch weiter an Kraft gewinnen. In dem Gebiet liegen rund ein Viertel der Öl- und Erdgasförderanlagen der USA, was den Ölpreis bereits am Freitag in die Höhe trieb.
"Ernesto" erreichte die Hurrikan-Stärke zu einem symbolischen Zeitpunkt: Vor rund einem Jahr, am 29. August 2005, traf Hurrikan "Katrina" auf den US-Bundesstaat Louisiana und zerstörte unter anderem große Teile von New Orleans. "Katrina" war ein Hurrikan der Kategorie drei.
Nach jetzigen Erkenntnissen dürfte "Ernesto" die US-Küste aber zwischen dem Bundesstaat Alabama und den Key-Inseln vor Florida erreichen. Allerdings hat der Sturm in den vergangenen Tagen bereits mehrmals seinen Kurs verändert.
hda/reuters/dpa