Hurrikan Erste Ausläufer von "Gustav" erreichen US-Küste
Washington/New Orleans - Dem Radar zufolge ziehe der Wirbelsturm derzeit über das Delta des Mississippi-Flusses in Richtung New Orleans, sagte die Meteorologin des Nationalen Hurrikan-Zentrums (NHC), Patricia Wallace, der Nachrichtenagentur AFP. Es wird sehr starker Regen erwartet, fügte sie hinzu. Das Zentrum des Sturms wird den bisherigen Berechnungen zufolge am Mittag (Ortszeit) auf das Festland treffen.
Aus Angst vor "Gustav" haben sich zwei Millionen Menschen aus den gefährdeten Gebieten des US-Bundesstaats in Sicherheit gebracht. Die Südstaatenmetropole New Orleans wurde zur Geisterstadt: Nur etwa 10.000 der 240.000 Einwohner blieben in der Stadt.
"Ein sehr gefährlicher Sturm"
Nach den jüngsten Vorhersagen dürfte der Sturm wahrscheinlich weniger stark auf die US-Golfküste treffen als zuletzt befürchtet und möglicherweise nicht die gleiche zerstörerische Wucht entfalten wie Hurrikan "Katrina" vor drei Jahren. "Das bleibt aber immer noch ein sehr gefährlicher Sturm", warnte Gouverneur Bobby Jindal. Er forderte die in den gefährdeten Küstengebieten zurückgebliebenen Menschen nachdrücklich auf, im Landesinneren Zuflucht zu suchen.
Wegen des Hurrikans strichen die Republikaner das Auftaktprogramm ihres Nominierungsparteitages zusammen. Nur die absolut notwendigen Programmpunkte fänden statt, teilte Senator John McCain am Sonntag mit, der auf dem Parteitag in St. Paul im Bundesstaat Minnesota offiziell zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gekürt werden soll. Den Ehefrauen des Präsidenten und des designierten Präsidentschaftskandidaten soll eine besondere Rolle zufallen. Laura Bush und Cindy McCain sollen am Montag aufs Podium kommen, um mit den Delegierten Möglichkeiten einer schnellen Hilfe für die Hurrikanopfer zu erörtern. Dies teilten Organisatoren der Veranstaltung in St. Paul im US-Staat Minnesota am Sonntagabend mit.
Präsident George W. Bush und Vizepräsident Dick Cheney sagten ihre Teilnahme an dem Kongress ab. Bush will stattdessen von Texas aus die Arbeit des Katastrophenschutzes beobachten. Er war vor drei Jahren wegen der verspäteten und misslungenen Hilfsaktionen nach Hurrikan "Katrina" scharf kritisiert worden - unter anderem von seinem Parteikollegen McCain.
Sorge vor "der Mutter aller Stürme"
Im Golf von Mexiko, in dem ein Viertel des US-Rohölbedarfs produziert wird, kam wegen des herannahenden Sturms die Förderung so gut wie zum Erliegen. Viele der Arbeiter auf den 4000 Bohrinseln in dem Gebiet wurden vorsorglich evakuiert. Der Ölpreis legte am Montag um rund einen Dollar zu.
Die Experten vom US-Hurrikanzentrum rechneten nicht mehr damit, dass "Gustav" bis zum Aufprall auf das Festland auf die zweithöchste Hurrikan-Stufe vier anwachsen wird. Sie erwarten den Wirbelsturm nun mit Windgeschwindigkeiten von bis zu rund 200 Kilometern pro Stunde weiter als Hurrikan der Stufe drei und einer etwa viereinhalb Meter hohen Sturmflut. Entwarnung bedeutet dies aber keineswegs, denn auch der verheerende Hurrikan "Katrina" vor drei Jahren war mit Stärke drei auf das Festland geprallt.
"Katrinas" knapp neun Meter hohe Flutwelle hatte zahlreiche Dämme bersten lassen und 80 Prozent des zum großen Teil unter dem Meeresspiegel gelegenen New Orleans überflutet. Die Metropole versank im Chaos. Flutopfer mussten tagelang auf den Dächern ihrer Häuser auf Rettung warten. Entlang der US-Golfküste kamen etwa 1500 Menschen ums Leben. Der Sachschaden belief sich auf 80 Milliarden Dollar. Es war der größte bei einer Naturkatastrophe in den USA. Nach Angaben der Bundesbehörden wurden die Dämme um New Orleans zwar verstärkt, haben aber noch immer Schwachstellen, vor allem nahe der von "Katrina" damals am schwersten betroffenen Stadtteile.
Um eine Wiederholung dieser Katastrophe zu verhindern, hat Bürgermeister Ray Nagin diesmal frühzeitig eine Evakuierung der Stadt angeordnet. Er warnte, jeder der sich der Anweisung widersetze, begebe sich in extreme Gefahr. Nagin, der den Hurrikan "die Mutter aller Stürme" nannte, verhängte eine nächtliche Ausgangssperre und kündigte ein hartes Vorgehen gegen Plünderer an.
Indes forderte "Gustav" die ersten Todesopfer in den USA: Ein Mann wurde vor Florida in schwerer See über Bord gespült, wie die US-Küstenwache mitteilte. Drei weitere Menschen starben bei Krankenhausevakuierungen in Louisiana. In der Karibik waren in dem Hurrikan mindestens 86 Menschen ums Leben gekommen.
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ler/AFP/Reuters