Hurrikan "Ivan" "Alles ist einfach weg"
Pensacola - Durch Hurrikan "Ivan" starben in den südlichen US-Bundesstaaten Florida und Alabama mindestens 23 Menschen. Zuvor hatte der gigantische Wirbelsturm in der Karibik bereits 70 Menschen den Tod gebracht. Nach ersten Schätzungen belaufen sich die Schäden in den USA auf vier bis zehn Milliarden Dollar. US-Präsident George W. Bush rief für mehrere Bundesstaaten den Notstand aus.
Monstersturm "Ivan": "Bis jetzt war es ganz schön hier..."
Die Küstenregionen in Alabama und Nordwest-Florida sind durch "Ivan" teilweise komplett zerstört worden. Segelboote wurden durch die Straßen geschleudert, Brücken weggespült, Straßen enden plötzlich im Nichts. An den weißen Traumstränden wurden Hunderte Häuser zerschmettert. Die Anwohner stehen teilweise knietief in den Trümmern und suchen nach Dingen, die vielleicht noch zu retten sind.
Dennoch wollen sich die Menschen nicht unterkriegen lassen. Dennis King, Polizeibeamter in Gulf Shores, sagte der "Washington Post": "Es ist ja nicht das erste Mal. Wir haben schon ganz anderes überstanden." Doch angesichts der Leere, die eine vom Monstersturm hinweggerissene Straße hinterließ, schüttelt er den Kopf. "Bis jetzt war es sehr schön hier ... Ich habe noch nie erlebt, dass die Wellen so hoch kommen", sagte er dem Blatt - er lebt seit 46 Jahren an der Golfküste.
Dem Nachrichtensender CNN sagte Santana Sullivan aus Blountstown in Florida, sie habe sich in das Haus ihrer Mutter gerettet, um dort den Sturm abzuwarten. Doch als sie zurückkam, war ihr Haus nicht mehr da. Sie habe eine "eine saubere Lücke" vorgefunden, sagte sie. "Alles ist einfach weg. Es ist nichts mehr da."
Dem "Miami Herald" sagte der Sheriff von Escambia County, in dem auch die stark zerstörte Stadt Pensacola liegt: "Es ist das Schlimmste, was ich in meinem Leben gesehen habe." Der Bürgersmeister Pensacolas, John Fogg sagte dem "Pensacola News Journal": "Es ist ein Desaster für unsere Region und für unsere Stadt. Wir ahnten, dass der Sturm uns ziemlich hart treffen würde. Aber es kam noch schlimmer."
"Ivan" hat sich inzwischen zu einem tropischen Sturm abgeschwächt, bleibt aber weiter gefährlich. Das Hurrikan-Zentrum warnte für heute vor möglichen Tornados in Teilen der US-Bundesstaaten Alabama, Georgia, Tennessee, South und North Carolina.
Während "Ivan" noch Unheil anrichtet, konzentrieren sich Meteorologen bereits auf einen neuen Hurrikan in der Karibik. "Jeanne" streifte die Dominikanische Republik, wo heute zwei Menschen ums Leben kamen. Wie die Nationale Katastrophenkommission mitteilte, starb ein drei Monate alter Säugling, als eine Schlammwelle ein Haus in Santo Domingo überflutete. Ein Motorradfahrer verunglückte tödlich, als er in einen umgestürzten Baum im Nordosten des Landes raste.
Behält der Sturm seinen Kurs bei, könnte der "Jeanne" nach bisherigen Schätzungen voraussichtlich Anfang kommender Woche die US-Bundesstaaten South oder North Carolina erreichen.