Hurrikan "Katrina" "Das ist ein Alptraum"
New Orleans - "Habe Gott auf deiner Seite", sagt Nancy Noble, die in New Orleans mit drei Freundinnen ausharren will. "Es ist sehr beängstigend." Ein Monster-Hurrikan steuert auf Louisiana zu. Rund eine Million Einwohner von New Orleans sind bereits geflohen. Die Behörden hatten die Evakuierung der Stadt angeordnet.
Hurrikan-Alarm: "Katrina" stürzt Südstaaten ins Chaos
Auch in den niedrig gelegenen Küstenabschnitten von Mississippi und Alabama wurden die Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Auf vielen Straßen in den bedrohten Regionen wälzten sich Autoschlangen Dutzende Kilometer lang ins Landesinnere. An zahlreichen Tankstellen ging das Benzin aus. Die Menschen, die New Orleans nicht verlassen können, sollen den Sturm in rund einem Dutzend öffentlicher Schutzräume abwarten.
Nach Einschätzung des Hurrikan-Zentrums in Miami ist der Sturm der stärksten Kategorie 5 so gefährlich, dass er zahlreiche Todesopfer fordern und verheerende Schäden anrichten könnte. "New Orleans wird vielleicht nie wieder dasselbe sein", sagt Max Mayflield, der Direktor des Zentrums. Seit es Wetteraufzeichnungen gibt, ist es nur drei Mal vorgekommen, dass Hurrikane dieser Stärke auf das US-Festland trafen. Es habe ideale Voraussetzungen für die Entstehung des Wirbelsturms gegeben, sagt Mayflield. Daher sei der Wirbelsturm fähig, Zerstörungen von katastrophalem Ausmaß zu verursachen. "Wir können nur beten, dass der Verlust an Menschenleben gering ist."
"Sie haben uns gesagt, nicht in unseren Häusern zu bleiben, weil es dort nicht sicher sei", sagte die 76 Jahre alte Victoria Young. Allein im Football-Stadion der Stadt, dem Louisiana Superdome, versammelten sich in der Nacht nach Angaben von Bürgermeister Ray Nagin bereits rund 30.000 Menschen. "Niemand von uns hat einen anderen Platz, wo er hingehen könnte", sagte die 57 Jahre alte Julie Paul. Das Football-Station mit 70.000 Sitzen sei die letzte Rettung.
"Dies ist ein noch nie da gewesener Sturm mit unglaublicher Gewalt", sagte Bürgermeister Nagin dem TV-Sender CNN. Nach Angaben von Rettungsdiensten hatten bis zum Abend rund eine Million der 1,3 Millionen Einwohner des Großraums New Orleans die Region verlassen. Viele Straßen wurden zu Einbahnstraßen erklärt, um die Flucht aus der Stadt zu beschleunigen. Bereits vor Einbruch der Dunkelheit deutete der Hurrikan mit starken Winden und großen Wellen sein Herannahen an. Auf einer Pressekonferenz sagte Nagin, der Hurrikan könne eine Sturmflut von 8,5 Metern Höhe auslösen und Teile der unter dem Meeresspiegel liegenden Stadt fluten. Der Chef der US-Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA), Michael Brown, sprach ebenfalls von einer äußerst ernsten Situation. "Das hier ist ein Alptraumszenario", sagte er wörtlich.
"Katrina" hat nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums mit Kategorie fünf die höchste Stufe auf der Hurrikan-Skala erreicht und ist einer der stärksten jemals gemessenen Stürme. Er erreichte Windgeschwindigkeiten von 270 Kilometern pro Stunde. Zuletzt war im Jahr 1969 mit "Camille" ein Hurrikan der Stufe fünf über Alabama und Louisiana hinweggepeitscht. 400 Menschen kamen ums Leben. 1992 fegte "Andrew" ebenfalls mit Stärke fünf über Florida hinweg und hinterließ eine Spur der Verwüstung.
Im französischen Viertel von New Orleans, dem Amüsierviertel der Stadt, machte sich auch Galgenhumor breit: "Ich rechne damit zu sterben", sagte der 42 Jahre alte Musiker Tony Peterson. "Aber ich sterbe mit kaltem Bier und meinen besten Kumpels."