Hurrikan "Rita": Wer fliehen will, muss sich beeilen - DER SPIEGEL
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Hurrikan "Rita" Wer fliehen will, muss sich beeilen

Mehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht vor dem Hurrikan "Rita". Der Monstersturm wird immer stärker, und die Zeit drängt. Nach Angaben von Experten müssen die Betroffenen sich spätestens bis morgen in Sicherheit bringen. Danach könnte es zu spät sein.
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Washington - "Rita" könnte schlimmere Auswirkungen haben als "Katrina", sagte der Direktor des Nationalen Hurrikanzentrums, Max Mayfield. Er riet den Bewohnern der betroffenen Gebiete, sich spätestens bis morgen in Sicherheit zu bringen. Die starken Winde, die "Rita" mit sich bringt, könnten die Evakuierung schon morgen unmöglich machen, sagte Mayfield dem US-Nachrichtensender CNN.

Der Hurrikan, der bereits in die höchste Kategorie 5 eingestuft wurde, nähert sich der Küste von Texas. Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums in Miami ist "Rita" der drittstärkste Hurrikan, der je beobachtet wurde. Nur der Wirbelsturm "Gilbert" im Jahr 1988 und der "Labour Day"-Hurrikan von 1935 wurden als heftiger eingestuft.

"Rita" hat nach Angaben des Hurrikan-Experten beim Wetterdienst Meteomedia, Thomas Sävert, in der Nacht mittlere Windgeschwindigkeiten von etwa 280 und Spitzenböen von bis zu 345 Stundenkilometern erreicht. Der Wirbelsturm befinde sich noch über dem Golf von Mexiko etwa 900 Kilometer südöstlich der texanischen Stadt Galveston. In der Nacht habe der Hurrikan einen Schlenker nach Nordwesten gemacht, sei aber weiter auf Kurs in Richtung Texas.

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Nach Berechnungen von Experten könnte "Rita" morgen am späten Abend oder frühen Samstagmorgen auf die texanische Küste bei Galveston treffen. Wo genau der Sturm das Land erreichen wird, lässt sich nach Angaben des Hurrikan-Zentrums wohl erst morgen sagen. Noch sei von Nordmexiko bis zum südwestlichen Louisiana alles möglich.

Präsident George W. Bush rief gestern bereits vorsorglich für die Bundesstaaten Texas und Louisiana den Notstand aus. Damit ist unbürokratische Bundeshilfe möglich. Der amtierende Chef der US-Behörde für Katastrophenmanagement, David Paulison, erklärte, die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Dutzende Lastwagen mit Fertigmahlzeiten und Wasser sowie medizinische Fachleute seien schon vor Ort. Das Pentagon sei mit der Einrichtung von Lazaretten beauftragt.

"Rita" wird als so gefährlich eingestuft, dass für eine Million Menschen in niedrig gelegenen Küstenabschnitten von Texas eine Zwangsevakuierung verfügt wurde. Betroffen sind davon auch Teile der Millionenstadt Houston. Einige hundert Stadtbusse seien für die Evakuierung vorgesehen, sagte ein Behördensprecher. Die Autobahnen seien als Evakuierungsrouten ausgezeichnet worden. Und entlang der Routen stünden Schutzräume zur Verfügung. Auf den Autobahnen haben sich bereits kilometerlange Staus gebildet.

Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, sagte: "Es gibt keinen Grund zur Panik." Man sei gut vorbereitet und habe derartige Katastrophenfälle oft geübt. Medienberichten zufolge befinden sich in Texas 5000 Nationalgardisten in Bereitschaft. Der Leverkusener Chemie-Konzern Bayer schließt aus Sicherheitsgründen seine Anlagen in Baytown in der Nähe von Houston. Dort arbeiten rund 1100 Angestellte.

Auch Louisina und Mississippi rüsten sich für einen möglichen zweiten Hurrikan binnen vier Wochen. "Katrina" hatte dort verheerende Verwüstungen angerichtet. Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen bei mehr als tausend, dürfte aber noch deutlich ansteigen, da die Bergungsarbeiten andauern. Sollte Galveston, eine Inselstadt mit etwa 60.000 Einwohnern vor Houston, direkt getroffen werden, könnte sie zum größten Teil oder sogar ganz überflutet werden. Die Stadt war bereits im Jahr 1900 von einem Sturm zerstört worden.

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Ritas verheerender Vorläufer: Der große Sturm von 1900

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Alarmstimmung herrscht auch wieder in New Orleans. Nach den Überflutungen durch "Katrina" wächst die Sorge, dass "Rita" auch noch bei einem Vorbeizug in größerer Entfernung so viel Regen und Sturm mit sich bringen könnte, dass die strapazierten Dämme nicht halten. Bürgermeister Ray Nagin hatte deswegen bereits am Montag die Rückkehr Tausender zuvor geflüchteter Einwohner gestoppt. Mit Hochdruck wird an einer Verstärkung der Deiche gearbeitet.