Hurrikan-Schäden New Orleans versinkt in den Fluten
Fotografen beschrieben Menschen, die mit Stangen und anderen umfunktionierten Werkzeugen verzweifelt Löcher in die Dächer hackten, um den steigenden Wassermassen zu entkommen. Viele mussten nur mit dem, was sie gerade am Leibe hatten, auf die Dächer flüchten. Die Hilfstrupps hätten alle Rettungsversuche am späten Abend einstellen müssen, meldeten Reporter aus der Stadt. "Man hörte die Stimmen in der Dunkelheit um Hilfe rufen und konnte nichts tun", berichtete eine CNN-Reporterin mit bewegter Stimme.
Die Feuerwehr musste die Rettungsversuche wegen Lebensgefahr zunächst einstellen. Unter der Wasseroberfläche lagen Stromleitungen, die teilweise noch nicht abgeschaltet waren und sich in den Motorbooten verfangen konnten. Außerdem war die Gefahr von Zusammenstößen mit Hindernissen wie Autos zu groß.
New Orleans: Land unter am Mississippi
Stunden, nachdem das schlimmste Unwetter vorüber war, brach heute am Pontchartrain-See direkt in New Orleans ein Damm. Das Wasser schwappte in die Straßen und stieg immer höher.
New Orleans' Bürgermeister Ray Nagin bestätigte die Meldungen in einem Interview mit einem lokalen Fernsehsender. Der Damm sei auf einer Länge von 200 Metern gebrochen. "Die Stadt New Orleans ist völlig verwüstet. Wahrscheinlich sind 80 Prozent unserer Stadt unter Wasser. Das Wasser ist teilweise bis zu sieben Meter tief."
Ein Krankenhaus hatte in einer dramatischen Aktion evakuiert werden müssen. Die Vizepräsidentin des Krankenhauses Tulane University Medical Center, Karen Troyer-Caraway, sagte dem Fernsehsender CNN, das Wasser in der Innenstadt steige, nachdem die Wassermassen einen Damm eingerissen hatten. "Wir sind jetzt umgeben von zwei Meter hohem Wasser", sagte sie. Die Patienten würden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht.
Die meisten Todesopfer forderte "Katrina" im US-Bundesstaat Mississippi. Dort wurden mindestens 50 Menschen getötet. Zudem richtete der Sturm entlang der Golfküste verheerende Schäden an.
Die meisten Opfer kamen durch Überschwemmungen weiter Teile des Landesinneren ums Leben, wie Zeitungen unter Berufung auf Behörden berichteten. In der evakuierten Stadt New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana gab es durch den Hurrikan selbst offenbar weniger massive Schäden als zunächst befürchtet, weil der Wirbelsturm kurz vor dem Erreichen der Küste nach Osten gedreht hatte. Zahlreiche Orte an der Küste von Mississippi wurden dagegen schwer getroffen. Im Golf von Mexiko wurden mehrere Ölplattformen aus ihrer Verankerung gerissen. In der Nacht schwächte sich "Katrina" zu einem Tropensturm ab.
Flutwellen schwappten vom Meer bis zu 1,5 Kilometer weit ins Landesinnere von Mississippi. In einem Apartmentkomplex in Biloxi starben den Angaben nach allein 30 Menschen. Sie seien ertrunken oder von Schutt erschlagen worden, sagten Rettungskräfte lokalen Zeitungen. Mehrere Menschen starben Behördenangaben zufolge durch umstürzende Bäume und wetterbedingte Autounfälle. "Der Bundesstaat hat an der Küste einen schweren Schlag einstecken müssen", sagte der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour. Auf seine größte Angst angesprochen, sagte er: "Dass es eine Menge Tote gibt."
Im Französischen Viertel von New Orleans wurden Scheiben eingedrückt, Trümmer waren über die Straßen verteilt. Auch das Dach des Superdome Football-Stadions wurde beschädigt. Dort hatten etwa 10.000 Menschen Zuflucht gesucht, die nicht dem Evakuierungsbefehl folgen wollten oder konnten. Im örtlichen Hörfunk beschwerten sich zahlreiche Anrufer über Plünderungen.
"Die Heimreise ist zu gefährlich"
Die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, sprach von Hunderten Menschen, die der Katastrophenschutz von Dächern oder aus dem Wasser gerettet habe. Bei Anbruch der Dunkelheit waren Hunderte weitere noch gestrandet, sagte sie. Blanco rief die Menschen dazu auf, die Nacht dort zu verbringen, wo auch immer sie Unterschlupf gefunden hätten. "Die Heimreise ist zu gefährlich", sagte sie. Strom- und Telefonkabel seien abgerissen und die Straßen durch umgerissene Bäume blockiert. "Unsere Leute sind zäh, wirklich zäh", sagte Blanco. "Wir arbeiten hart, wir feiern hart ... wir können das durchstehen." In Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida waren Energieversorgern zufolge rund 1,3 Millionen Menschen ohne Strom.
In Mobile Bay in Alabama wurde eine Bohrplattform von ihrem Liegeplatz gerissen und rammte eine Brücke. Mindestens zwei weitere Plattformen trieben nach Angaben der Ölgesellschaft Shell im Golf. Dort war "Katrina" noch einer der stärksten Hurrikane seit dem Beginn der Aufzeichnungen und hatte die Hälfte der US-Ölförderung lahm gelegt. Auch Raffinerien waren betroffen. Experten zufolge könnten die Kosten für die Versicherungen auf bis zu 26 Milliarden Dollar steigen. Damit wäre "Katrina" der teuerste Sturm in der Geschichte der USA, noch vor den inflationsbereinigten 20,9 Milliarden Dollar Schaden durch Hurrikan "Andrew" 1992.