Hurrikan-Schicksale: "Ich liebe dich, wir werden sterben" - DER SPIEGEL
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Hurrikan-Schicksale "Ich liebe dich, wir werden sterben"

Der verheerende Hurrikan "Katrina" ist vorbeigezogen, doch die Schrecken der vergangenen Tage sitzen tief bei den Bewohnern der amerikanischen Südstaaten. Augenzeugen berichten von den furchtbaren Stunden der Angst, in denen der Wirbelsturm tobte und die Flut stieg.
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New Orleans - Einer Reporterin des Nachrichtensenders CNN berichtete Suzanne Rodgers aus Ocean Springs von den Verwüstungen, die der Sturm in ihrem Haus angerichtet hat: "Da ist kein Heim mehr, in das man zurückkehren könnte. Der Apartment-Komplex, in dem ich lebte, steht vollkommen unter Wasser."

Alle Häuser am Strand von Ocean Springs seien verschwunden, berichtet Rodgers. Alles, was von ihrem Eigentum übrig geblieben sei, sei ein Schuh und ein Stuhl. Auf der Suche nach ihrer Mutter kam Rodgers auch durch die Stadt Biloxi: "Da liegen Sattelschlepper auf Autos gekippt und Häuser auf der Mitte der Straße." Zahlreiche Menschen würden als Obdachlose über die Straßen irren.

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New Orleans: Land unter am Mississippi

Foto: DPA

Die "Los Angeles Times" berichtet von den dramatischen Stunden, die die Familie Medley durchmachte. Während Bridgette Medley zusammen mit ihrem Mann und ihrer dreijährigen Tochter in einem Hotel Schutz suchten, waren ihre Eltern und Geschwister entgegen allen Warnungen zu Hause geblieben.

Gestern Morgen rief Medleys Schwester, Stephany Johnson an, als das Wasser ins Haus drang: "Sie war in Panik", berichtet Medley. "Sie sagte 'Ich liebe dich, wir werden sterben.'" Dann brach das Gespräch ab. Zwei Stunden später meldete sich die Schwester wieder: Das Wasser stehe jetzt bereits einen Meter hoch. Wie sollten die gebrechlichen Eltern das rettende Dach erreichen?

Erst am Nachmittag hörte das Wasser auf zu steigen. Am Abend meldete sich dann Johnson ein drittes Mal: Sie habe einen Notdienst erreichen können. Kurze Zeit später rettete ein Boot der Nationalgarde die Eingeschlossenen. Inzwischen habe sich die Familie geschworen, beim nächsten Mal der Evakuierungsaufforderung zu folgen. "Aber am wichtigsten ist, dass wir dann gemeinsam weggehen", sagt Medley.

Auch die Familie Parks erlebte Stunden der Angst. Mitten im stärksten Hurrikan rissen plötzlich die Holzbretter ab, mit denen sie die Scheiben ihres Restaurants verschalt hatten. Unter dem Druck des Windes wurde das große Schaufenster eingedrückt. "Ich war gerade im Badezimmer, als ich dieses schreckliche Geräusch hörte. Als ich zurückkam, stand mein Sohn Jimmy mit blutendem Arm da" berichtet Parks der "New York Times".

Als Timothy Wagner aus Gulfport im US-Bundesstaat Mississippi nach dem Sturm ins Freie trat, fiel sein Blick auf eine Trümmerwüste. Wagner, ein ehemaliger Matrose der Handelsmarine, überstand "Katrina" in einem leer stehenden Kaufhaus. "Als das Gebäude zu bröckeln begann, versteckte im mich hinter Betonklötzen", zitiert die "New York Times" Wagner.

Auf der Flucht vor dem Sturm habe er nur seine Papiere und einen Rucksack voller Wiener Würstchen mitgenommen, berichtet der ehemalige Seemann. "Wenn man an einem solchen Platz lebt, muss man ständig wieder aufbauen. Wir sind wie Ameisen am Strand."