Hurrikan: "Wilma" bricht über Floridas Küste herein - DER SPIEGEL
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Hurrikan "Wilma" bricht über Floridas Küste herein

Es ist ein beängstigendes Naturspektakel: Zur Stunde entlädt Hurrikan "Wilma" seine todbringende Energie über der Küste Floridas. Zehntausende Menschen haben die Warnungen der Behörden ignoriert, sie weigerten sich ihre Häuser zu verlassen.
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Naples/Cancún - Mit neuer Kraft und heftigen Regengüssen wirbelte der Sturm über den Südwesten der Halbinsel nahe der Stadt Naples. In Key West verwandelten sich etliche Straßen in kürzester Zeit in schlammige Kanäle. Der US-Nachrichtensender CNN überträgt live aus dem Katastrophengebiet: Nur mühsam können sich die Reporter in den heftigen Böen auf den Beinen halten. Eine Journalistin, die aus Fort Myers berichtete, sagte: "Vermutlich ist es keine gute Idee, sich jetzt hier draußen aufzuhalten". Durch die gewaltigen Winde und die heftigen Regenfälle, die wagerecht über die Küste gepeitscht werden, sei sie so gut wie blind. Fliegende Trümmerteile seien für sie erst dann zu erkennen, wenn sie bereits an ihr vorbeigerauscht wären. "Dies ist ein sehr gefährlicher Hurrikan", sagte der Leiter des Hurrikan-Zentrums, Max Mayfield, dem Nachrichtensender CNN.

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Hurrikan: Florida zittert vor "Wilma"

Foto: AP

Das nationale Hurrikan-Zentrum in Miami hatte "Wilma" in der Nacht wieder als einen Hurrikan der Kategorie drei eingeordnet. Bisher kamen nach Behördenangaben durch den Sturm mindestens acht Menschen ums Leben.

Den Prognosen zufolge werden die Winde des Sturms von Miami bis Palm Beach zu spüren sein. In der Region leben rund fünf Millionen Menschen. Über Nacht wurden Winde mit Spitzengeschwindigkeiten von 193 Kilometern pro Stunde gemessen. "Wir hatten gehofft, dass er nachlässt, bevor er aufs Festland trifft", sagte Mayfield. Diese Hoffnung scheine sich jedoch nicht zu erfüllen.

Beim Kurs auf Florida erreichte "Wilma" Windgeschwindigkeiten bis zu 185 Stundenkilometern. Anwohner müssten mit Flutwellen zwischen 2,70 und 5,20 Metern Höhe rechnen, warnten Meteorologen. Da die Küstenregionen in Florida sehr flach sind, muss auch mit Überspülungen gerechnet werden.

Viele Bewohner Floridas ignorierten den Aufruf, sich in Sicherheit zu bringen. Etwa 80.000 Einwohner weigerten sich, ihre Häuser zu verlassen. Gouverneur Jeb Bush richtete einen letzten Appell an die Bürger. "Ich kann den Leuten auf den Florida Keys gar nicht genug deutlich machen, dass da ein Hurrikan kommt. Und ein Hurrikan ist ein Hurrikan, und der kann tödlich sein", sagte er. Trotz aller Warnungen waren gestern Abend (Ortszeit) sogar noch Fahrrad- und Autofahrer auf der Inselgruppe Key West unterwegs.

Am Morgen war in Florida bereits die Telekommunikation durch "Wilma" stark beeinträchtigt. Bush bereitete die Bevölkerung auf weitreichende Stromausfälle vor. Nach seinen Worten sind rund 2400 Armeeangehörige mobilisiert und weitere 3000 in Bereitschaft versetzt worden. Mehr als 30 Helikopter stünden für Rettungsaktionen bereit. Anders als beim Hurrikan "Katrina" haben die Behörden in Florida auch Schutzräume für Tiere eingerichtet.

Das Kennedy-Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral wurde geschlossen. Die Raumfahrtbehörde Nasa wies ihre Mitarbeiter an, heute zu Hause zu bleiben.

"Wir müssen hier raus"

Nach Angaben des kubanischen meteorologischen Instituts ist der Sturm seit Samstag auf doppelte Größe angewachsen: Das Auge des Hurrikans habe mittlerweile einen Durchmesser von hundert Kilometern, sagte ein Sprecher. Insgesamt messe er sogar 800 Kilometer. Im Westen von Kuba löste der Sturm schwere Regenfälle und Überschwemmungen aus.

Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán hatte "Wilma" am Wochenende schwerste Verwüstungen angerichtet. Drei Tage lang hatte der Hurrikan über der Golfküste Mexiko getobt. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben. Straßen, Häuser und Hotels nahe der Karibikstrände standen unter Wasser. Viele Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Durch die Straßen trieben Schutt und Trümmer.

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Yucatan: Von "Wilma" verweht

Foto: AFP

In dem bekannten Badeort Cancún nutzten Hunderte Plünderer die chaotische Lage aus und räumten die Geschäfte leer. Die Regierung entsandte mehr als 600 Sicherheitskräfte der Bundespolizei und der Armee, um die Ordnung wiederherzustellen.

In den Geschäftsstraßen waren ganze Gruppen von Plünderern unterwegs, die aus den Läden Lebensmittel, Waschmaschinen, Fernseher und Kleidung mitnahmen, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. An vielen Geschäften waren die Metallrollläden durch den Sturm weggerissen. Die Polizei konnte viele Gebiete wegen der starken Überschwemmungen nicht richtig kontrollieren.

Die mexikanische Regierung will Tausende nach dem Hurrikan "Wilma" eingeschlossene Touristen so schnell wie möglich außer Landes in Sicherheit bringen. Wie viele Reisende zum Teil die vierte Nacht in Folge in ihren Notquartieren festsaßen, ist unklar. Ein hochrangiger Behördenvertreter schätzte ihre Zahl jedoch allein im Urlaubszentrum Cancún auf 20.000. In vielen Behelfsunterkünften gebe es kaum ausreichend Nahrung, Wasser und keinen Strom. "Den Leuten geht es zunehmend schlechter. Einige ältere Menschen werden krank", sagte ein US-Tourist. "Wir müssen hier raus."