Hurrikan "Wilma": Erste Todesopfer in Mexiko - DER SPIEGEL
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Hurrikan "Wilma" Erste Todesopfer in Mexiko

In Mexiko hat der Hurrikan "Wilma" die ersten Todesopfer gefordert. Bei der Explosion eines Gastanks auf der Ferieninsel Cozumel wurden zwei Menschen getötet. Auch im Süden von Yucatán kam ein Mann ums Leben.
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Mexiko-Stadt/Cancún - Die Opfer des Unglücks im Badeort Playa del Carmen erlagen ihren schweren Brandverletzungen. Ihr Haus war durch einen umgewehten Gastank in Brand geraten. Ein 69 Jahre alter Mann wurde von einem herabfallenden Ast in Yucatán erschlagen.

Zahlreiche Häuser in der Karibik-Region wurden durch "Wilma" zerstört und Bäume entwurzelt. Tausende Touristen saßen in Notunterkünften fest. Nach Einschätzung der Wetterbeobachter in Mexiko wird der Hurrikan noch länger in dem Gebiet wüten, denn der Wirbelsturm will nicht abziehen. "Der Hurrikan 'Wilma' bewegt sich nicht weiter, er steht, und das macht ihn noch einmal gefährlicher", sagte Wetterdienst-Mitarbeiter Alberto Hernandez heute im Radio. "So etwas habe ich noch nie gesehen. 'Wilma' ist schlimmer als 'Katrina'." Während der Wirbelsturm "Katrina" im August einen Durchmesser von 500 Kilometer gehabt habe, betrage der Durchmesser von "Wilma" 800 Kilometer. "Ich rechne mit katastrophalen Szenen. Der Hurrikan steht seit 36 Stunden über Yucatán, das ist wirklich dramatisch", sagte der Meteorologe.

Zurzeit befindet sich das relativ ruhige Auge des Hurrikans über der Ferienmetropole Cancún. Die Einwohner nutzten die Gelegenheit, um wieder auf die Straße zu gehen und die Schäden zu begutachten. Genau darin aber liegt für die Meteorologen die größte Gefahr: "Der Himmel lichtet sich, der Regen hört auf, die Leute denken, dass der Hurrikan vorbei ist", sagte der Wetterkundler Jesus Carachure. Stattdessen komme aber der gefährlichste Teil des Wirbelsturms. "Der Wind ist dann stärker und richtet größeren Schaden an, weil die Leute nicht aufgepasst haben."

Im Moment ist allerdings schwer abzuschätzen, was überhaupt noch zu zerstören ist. Zu groß ist die Schneise der Verwüstungen, die "Wilma" bereits durch die Karibik gezogen hat. In Cancún stand das Wasser teils meterhoch in den Straßen und erreichte bei einigen Hotels in Strandnähe das dritte Stockwerk, wie die Zeitung "Diario de Yucatán" berichtet. Meterhohe Wellen peitschten an die Küste der Region. Auf der Insel Isla Mujeres gingen nach Angaben des mexikanischen Wetterdienstes binnen 24 Stunden mehr als 1500 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Zum Vergleich: In Hamburg fallen etwas mehr als 700 Liter pro Quadratmeter im ganzen Jahr.

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Hurrican "Wilma": Wasser im dritten Stock

Foto: REUTERS

Die mexikanischen Behörden verloren heute Vormittag jeglichen Kontakt zu der Ferieninsel Cozumel. Es gebe Berichte über schwere Schäden, aber zurzeit seien alle Verbindungen zu der Insel Cozumel unterbrochen, sagte der Gouverneur des Staates Quintana Roo, Félix González. Dem Bericht der "Diario de Yucatán" zufolge soll in Funksprüchen von zwei Todesopfern die Rede gewesen sein. Offizielle Angaben hierzu gab es nicht. Die Hälfte der 150.000 Einwohner der Insel etwa 60 Kilometer südlich von Cancún hatten rechtzeitig fliehen können. Die anderen, darunter auch etwa 800 Touristen, waren in Schutzräumen untergebracht worden.

Touristen harren in Notunterkünften aus

In der 600.000-Einwohner-Stadt und in anderen Ortschaften an der Küste fiel am Freitagnachmittag (Ortszeit) der Strom aus. Menschen aus der Region und Touristen harrten teils dicht gedrängt in Notunterkünften aus. Insgesamt hatten sich rund 34.800 Touristen, darunter rund 6000 Deutsche, an der mexikanischen Karibikküste aufgehalten.

Der Wirbelsturm hat sich inzwischen weiter abgeschwächt, das US-Hurrikan-Zentrum reduzierte die Gefahrstufe auf die Kategorie zwei mit Windgeschwindigkeiten von 180 Kilometern pro Stunde. Das Auge des Hurrikans befand sich nach Angaben des US-Hurrikan-Zentrums in Miami gegen 14 Uhr (MESZ) etwa zehn Kilometer südwestlich von Cancún.

Betroffen von "Wilma" sind auch die westlichen Gebiete von Kuba. Vorsorglich waren 560.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Die schweren Regenfälle, Erdrutsche und Überschwemmungen haben bereits einen Teil der Tabakernte zerstört. Ausläufer des Hurrikans lösten am Samstag einen Tornado aus, der mindestens 20 Häuser zerstörte. In der westkubanischen Provinz Pinar del Rio gingen unter der Wucht des Sturms Fenster zu Bruch, auch Dächer wurden abgedeckt.

Florida bereitet sich auf "Wilma" vor

Hurrikan-Alarm auch im US-Bundesstaat Florida: Nach den verheerenden Zerstörungen in Mexiko bereiteten sich die Behörden in dem US-Bundesstaat auf den siebten Tropensturm in 14 Monaten vor. "Wilma" wird voraussichtlich am späten Montagabend mit voller Wucht auf die US-Küste prallen.

Die ersten Bezirke in Florida haben bereits mit den Evakuierungen begonnen. Alle Touristen wurden angewiesen, die Florida Keys zu verlassen. Auch die Bewohner der Insel Sanibel vor Fort Myers müssen sich in Sicherheit bringen. Die Behörden des Bezirks Collier County um Naples an der Südwestküste Floridas wollen die Evakuierung bis Sonntag abschließen. Banken wollen nach Angaben der Tageszeitung "Orlando Sentinel" so lange wie möglich ihre Schalter geöffnet lassen, damit sich die Einwohner mit Geld eindecken können.

Der amtierende Direktor des US-Katastrophenschutzes David Paulison forderte die Bevölkerung in Florida dringend auf, die Evakuierungsanordnungen zu befolgen. Alle Betroffenen sollten sich für mindestens drei Tage mit Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten eindecken. Nach den Erfahrungen mit den chaotischen Verhältnissen nach Hurrikan "Katrina" in New Orleans empfahl Paulison, alle Dokumente wie Ausweise, Geburtsurkunde, Bankunterlagen, Versicherungspolicen und Kreditkarten mitzunehmen.

Ausläufer des Hurrikans haben auf Kuba einen Tornado ausgelöst, der mindestens 20 Häuser zerstörte. Fast 560.000 Bewohner wurden in Sicherheit gebracht, als sich der Wirbelsturm mit einer Geschwindigkeit von knapp 160 Kilometern pro Stunde aus Richtung Westen von Mexiko her näherte. In der westkubanischen Provinz Pinar del Rio gingen unter der Wucht des Sturms Fenster zu Bruch, Dächer wurden abgedeckt.

Während "Wilma" Angst verbreitet, hat sich in der Karibik heute bereits ein neuer Tropensturm gebildet. Dem 22. Sturm der Saison gaben die Meteorologen den Namen "Alpha", den ersten Buchstaben im griechischen Alphabet. Die bisherige Namensliste reichte nur bis "Wilma". "Nach dem Sturmrekord von 1933 war man davon ausgegangen, dass die Zahl 21 nicht mehr überboten wird", sagte Meteomedia-Hurrikanexperte Thomas Sävert. "Alpha" hatte am Samstagabend (MESZ) eine Geschwindigkeit von 64 Kilometern pro Stunde und bewegte sich Richtung Nordwest.