Hurrikan "Wilma": Millionen Menschen ohne Strom - DER SPIEGEL
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Hurrikan "Wilma" Millionen Menschen ohne Strom

Mit Windböen bis zu 200 Kilometer pro Stunde fegte "Wilma" über Florida, zerstörte Wasserrohre und schnitt Millionen Haushalte von der Stromversorgung ab. Während der Hurrikan abdrehte, kostete der nächste Wirbelsturm "Alpha" in der Karibik mindestens acht Menschen das Leben.
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Naples - "Wilma" legte nach einer vorübergehenden Abschwächung wieder auf die Stärke drei zu, bevor der Sturm am Nachmittag Ortszeit auf den Atlantik abdrehte. In einem Vorort von Fort Lauderdale wurde ein Mann von einem umstürzenden Baum erschlagen. In der Stadt selbst zertrümmerte "Wilma" die Fenster mehrere Hochhäuser. Auch die Innenstadt von Miami war mit Glassplittern und Trümmern übersät. Mehr als drei Millionen Menschen wurden von der Stromversorgung abgeschnitten.

In ganz Florida suchten knapp 33.000 Menschen Schutzräume auf, viele Einwohner kamen der Aufforderung zur Evakuierung jedoch nicht nach. Aus Key West wurden schwere Überschwemmungen gemeldet. Rund 3.100 Nationalgardisten waren im Einsatz. Die Katastrophenschutzbehörde Fema hielt mehr als 13 Millionen Fertiggerichte bereit und erklärte, sie könne notfalls dutzende Militärhubschrauber ins Katastrophengebiet schicken.

Überflutungen auf Kuba

Auf seinem Weg durch die Karibik hatte der stärkste jemals gemessene Hurrikan mindestens 17 Menschen in den Tod gerissen. In der kubanischen Hauptstadt Havanna wurden fast 250 Menschen am Montag aus ihren überfluteten Häusern gerettet. Im gesamten Inselstaat mussten fast 700.000 Einwohner ihre Häuser verlassen. Präsident Fidel Castro trat im Fernsehen auf, um die Menschen zu beruhigen. Schwere Sturmböen peitschten über die Bucht von Havanna, aus dem Süden meldeten die Behörden Überschwemmungen von Küstenortschaften.

In der mexikanischen Stadt Cancun kam es erneut zu Plünderungen. Auf der Suche nach Lebensmitteln brachen hungrige Bewohner in Geschäfte ein. Polizisten schossen in die Luft, um die Plünderer zu vertreiben. Mehrere Dutzend Personen wurden festgenommen. Der mexikanische Präsident Vicente Fox erklärte, es werde zwei Monate dauern, um die touristische Infrastruktur von Cancun wieder in Stand zu setzen. Die Stromversorgung werde vermutlich in einer Woche wieder weitgehend funktionsfähig sein, sagte Fox der Fernsehnachrichtenagentur APTN.

4000 Deutsche sitzen in Mexiko fest

Wie viele Reisende teils die vierte Nacht in Folge in ihren Notquartieren festsaßen, ist immer noch unklar. Ein hochrangiger Behördenvertreter schätzte ihre Zahl jedoch allein im Urlaubszentrum Cancun auf 20.000. Das Auswärtige Amt in Berlin schätzte die Zahl der deutschen Touristen in der Region auf etwa 4000. In vielen Behelfsunterkünften gebe es kaum ausreichend Nahrung, Wasser und keinen Strom. "Den Leuten geht es zunehmend schlechter. Einige ältere Menschen werden krank", sagte ein Tourist aus den Vereinigten Staaten: "Wir müssen hier raus." Der Flughafen von Cancun sollte jedoch noch mindestens zwei weitere Tage geschlossen bleiben.

Sobald der Verkehr wieder aufgenommen werde, sollten Reisende mit staatseigenen Flugzeugen und Charter-Flugzeugen ausgeflogen werden. Die deutschen Reisekonzerne TUI und Thomas Cook strichen ihre Flüge auf die mexikanische Halbinsel Yucatan bis zum 9. beziehungsweise 12. November. Die jeweils rund 1000 Gäste der Fluggesellschaft sollten mit Sonderflügen aus der Region zurück nach Deutschland gebracht werden.

Über Haiti und die Dominikanische Republik zog unterdessen "Alpha" hinweg. Flüsse traten über ihre Ufer, und etwa 400 Häuser wurden zerstört. In Haiti ertranken mindestens sechs Menschen, zwei weitere starben an Stromschlägen. 19 weitere Bewohner werden nach Angaben des Zivilschutzes noch vermisst.