Hurrikanalarm: "Charley" erreicht Florida - DER SPIEGEL
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Hurrikanalarm "Charley" erreicht Florida

Mit voller Wucht hat Hurrikan "Charley" die Westküste Floridas getroffen. Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 230 Stundenkilometern zerstörte der Sturm Häuser und fällte selbst dicke Eichen. Behörden erwarten Schäden in Milliardenhöhe.
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Key West - Der Wirbelsturm drückte nach Auskunft des Hurrikan-Zentrums in Miami wie ein Bulldozer eine bis zu fünf Meter hohe Sturmflut in Richtung Küste. Rund 500 000 Menschen waren nach Angaben der Behörden bereits kurz nach Ankunft des Hurrikans ohne Strom. Gouverneur Jeb Bush rechnete mit Schäden von bis zu 15 Milliarden US-Dollar. Meldungen über Tote lagen zunächst nicht vor.

Das Zentrum des Wirbelsturms fegte zunächst etwa 30 Kilometer nördlich der 50 000 Einwohner großen Stadt Fort Myers über die eng bebaute Region hinweg. Dort leben auch viele Deutsche. Danach bewegte er sich auf Orlando zu. Der Wirbelsturm hatte einen Durchmesser von rund 100 Kilometern.

Der erste schwere Hurrikan in der Region seit mehr als 40 Jahren wurde von starken Regenfällen und Überschwemmungen der Küstenregion begleitet. Mehr als drei Millionen Einwohner der dicht bevölkerten und eng bebauten Küstenregion waren vor Ankunft des Hurrikans aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Auf seinem Weg durch die Karibik hat "Charley" bereits im nahe gelegenen Kuba gewütet. Begleitet von einer vier Meter hohen Sturmflut hatte er am Donnerstag gegen Mitternacht die Südküste Kubas erreicht. Er überquerte die Inseln an ihrer schmalsten Stelle unweit von Havanna. In der Hauptstadt war es stockdunkel, als die heulenden Winde Regenfluten, Schutt und Abfall durch die Straßen peitschten. In Küstenorten seien Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt worden, berichteten Augenzeugen. "Es ist ein Desaster. Die Böen haben Fenster und Türen eingedrückt", sagte ein Mann aus San Antonio de los Banos, 34 Kilometer südlich von Havanna.

149.000 Kubaner mussten ihre Häuser verlassen, weil diese in von Überflutungen bedrohten Gegenden liegen. 1400 Touristen wurden ausgeflogen. Gebäude aus der Kolonialzeit ließen die Behörden aus Angst vor Einstürzen evakuieren. Dass der Hurrikan knapp an der Zwei-Millionen-Stadt Havanna vorbeifegte und größere Schäden ausblieben, bezeichnete Fidel Castro "als Geburtstagsgeschenk der Natur". Heute wurde Castro 78 Jahre alt.

"Charley" hat inzwischen sogar noch an Stärke zugenommen. Er ist nun ein Hurrikan der zweitstärksten Stufe 4, wie Das Hurrikan-Zentrum in Miami mitteilte. Ein ähnlich starker Hurrikan hatte zuletzt 1921 in den USA gewütet. Ein Atomkraftwerk soll eventuell abgeschaltet werden.

Die drei größten Städte der Region - Tampa, St. Petersburg und Clearwater - wurden geräumt. Mit eindringlichen Botschaften versuchen die Behörden die Menschen dazu zu bewegen, ihr Hab und Gut im Stich zu lassen. "Sie spielen mit ihrem Leben", erklärte Gary Vickers, ein leitender Mitarbeiter der Rettungskräfte. Würden wegen des Sturms wichtige Brücken und Verbindungswege geschlossen, könnten Zurückgebliebene keine Hilfe erwarten. "Wir können unsere Leute nicht auf Selbstmordmissionen schicken", sagte Vickers.

Je nach dem, welchen Weg "Charley" nehmen wird, könnten bis zu 6,5 Millionen Menschen betroffen sein, warnte eine für Volkszählungen zuständige Behörde.