Hurrikane auf Haiti: Retter erreichen Katastrophen-Dorf - DER SPIEGEL
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Hurrikane auf Haiti Retter erreichen Katastrophen-Dorf

Das hurrikangeplagte Haiti muss mehr Tote beklagen als zunächst geschätzt. Mit fast 800 Opfern liegt die Zahl doppelt so hoch wie bislang angenommen. Helfer von Ärzte ohne Grenzen drangen erst jetzt in eine unzugängliche Region vor - dort lebten 2400 Menschen wochenlang ohne jede Hilfe.
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Die vier schweren Wirbelstürme im August und im September haben im bitterarmen Karibikstaat Haiti weitaus schlimmer gewütet als bislang bekannt. Nach jüngsten Angaben des Katastrophenschutzes töteten die Hurrikane mit fast 800 Menschen mehr als doppelt so viele wie von der Regierung Haitis noch Anfang September angenommen. Helfer konnten rund vier Wochen nach dem Durchzug des Wirbelsturms "Ike" nun in ein von der Außenwelt abgeschnittenes Dorf im Norden des Landes vordringen, meldete die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am Freitag.

Am schwersten wurde die Stadt Gonaïves von den Stürmen getroffen. Allein dort seien mindestens 466 Todesopfer zu beklagen, sagte die Leiterin des Zivilschutzes, Maria-Alta Jean Baptiste, in der Hauptstadt Port-au-Prince. Deren Leichen müssten nun unverzüglich bestattet werden, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern. Ärzte ohne Grenzen meldete weiter, Helfer der Organisation hätten am Dienstag das Dorf Mamont im Süden Gonaïves erreicht. In der völlig überfluteten Ortschaft lebten 2400 Menschen seit mehreren Wochen ohne Hilfe.

"Die Einwohner von Mamont sind von allen wichtigen Städten abgeschnitten. Sie wissen kaum, was sie noch essen sollen und leben seit Wochen ohne Trinkwasser und Medikamente", hieß es in der Erklärung der Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation appellierte an andere Hilfsorganisationen, "so schnell wie möglich zu intervenieren" und auch Hilfe zu leisten.

Laut Katastrophenschutz kamen durch die Wirbelstürme "Fay", "Gustav", "Hanna" und "Ike" in Haiti insgesamt 793 Menschen ums Leben. Im ganzen Land gab es den jüngsten Angaben zufolge 548 Verletzte, 310 Menschen werden noch vermisst.

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun

Fast 170.000 Familien wurden obdachlos, nachdem die Unwetter mehr als 22.000 Häuser zerstört und über 84.000 beschädigt hatten. Anfang September war die Regierung noch von 326 Toten ausgegangen. Das Koordinationsbüro für die Hilfsleistungen der Vereinten Nationen hatte bereits nach dem Wirbelsturm "Hanna" mit mehr als 500 Toten gerechnet.

Die Stürme trafen auch die Wirtschaft des armen Landes hart: 60 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen des karibischen Inselstaats wurden ebenso zerstört wie zahlreiche Straßen, Brücken und Häuser. Die Hurrikansaison dauert noch bis Dezember. Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt, fast drei Viertel der Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar pro Tag.

cht/AFP/AP

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