Hurrikanwarnung: New Orleans zittert vor "Ivan" - DER SPIEGEL
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Hurrikanwarnung New Orleans zittert vor "Ivan"

Unaufhaltsam bahnt sich "Ivan" seinen Weg: Von Louisiana bis zum Nordwesten Floridas sind jetzt Millionen Menschen aufgefordert, sich vor dem verheerenden Hurrikan in Sicherheit zu bringen. Die Einwohner von New Orleans schwanken zwischen Panik und Gelassenheit.
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Miami/New Orleans/Frankfurt - Der Bürgermeister der Mississippi-Metropole, Ray Nagin, rief angesichts der immensen Bedrohung bereits den Notstand aus und appellierte dringend an die Bewohner, die Stadt zu verlassen. "Das Zeitfenster, innerhalb dessen man die Stadt verlassen kann, schließt sich schnell - wenn Sie die Möglichkeit haben, die Stadt zu verlassen, tun Sie es bitte", sagte er heute. Der Wirbelsturm, der bereits 68 Menschen in den Tod riss, wird für heute Nacht oder morgen früh (Ortszeit) an der Grenze zwischen Mississippi und Alabama erwartet.

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Hurrikanwarnung: "Ivan" bedroht die Südstaaten und Florida

Foto: REUTERS

"Hoffentlich wird unser Haus noch stehen, wenn wir zurückkehren", sagt Tara Chandra, Professorin an der Tulane Universität in New Orleans, gegenüber der "Chicago SunTimes". Wie zahllose andere Anwohner, hatte die Familie das Auto voll gepackt, Pflanzen ins Haus verfrachtet und versucht, ein Hotelzimmer in Houston zu buchen. Während ihr Mann dem Sturm Zuhause trotzen will, bestand Tara Chandra darauf, das Haus sofort zu verlassen. "Als sie die Nachrichten hörte, ist sie völlig durchgedreht", so der Ehemann.

Weil die Stadt bis zu drei Meter unter dem Meeresspiegel liegt und ohnehin ständig über ein kompliziertes System aus Kanälen und Pumpen entwässert wird, wären die Folgen eines Hurrikans hier tatsächlich besonders fatal: New Orleans könnte bis zu sechs Meter unter Wasser stehen und von Abwässern und Chemikalien überschwemmt werden, befürchten Experten. Betroffen wären mehr als 1,2 Millionen Menschen. Sämtliche Schulen wurden bereits geschlossen, die Schifffahrt auf dem unteren Mississippi komplett eingestellt.

Auf der wichtigsten Ausfallstraße Richtung Inland bildeten sich schon gestern lange Staus. Doch die Menschen ohne eigenen Wagen sind schlimmer dran: Die etwa 100.000 Nichtmotorisierten müssen sich andere Fluchtmöglichkeiten erschließen - der Flughafen von New Orleans ist seit gestern Abend aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Allen anderen bleibt nur die etwas hilflos wirkende Empfehlung des Bürgermeisters, Schutz vor dem zu erwartenden Hochwasser in mehrstöckigen Gebäuden zu suchen.

Latonya Hill, eine 57-jährige Frau, die von Schwerbehindertenbezügen lebt, nützen solche Ratschläge wenig. Sie erwartet den Sturm auf den Stufen ihres Hauses in New Orleans. "Sie sagen, verlass dein Haus, aber sie sagen mir nicht, wie ich das tun soll, wenn ich nicht laufen oder den Bus erreichen kann. Ich habe kein Auto", klagt sie gegenüber "ABC News". Bisher hat die Stadt weder Notunterkünfte errichtet noch für den Transport von Bedürftigen gesorgt. Man plane jedoch die Errichtung einer Notunterkunft, versicherte Bürgermeister Nagin.

Von dem groß angelegten Evakuierungsprogramm sind auch deutsche Touristen betroffen. Urlauber, deren Abflug noch für diese Woche geplant ist, sollten die Reise besser überdenken, rät Karen Gilsdorf vom Fremdenverkehrsamt Louisiana in Frankfurt. Zumindest sei in den meisten Hotels, die über Generatoren verfügen, die Stromversorgung sichergestellt, falls es ansonsten zu Stromausfällen kommt.

Auch Alabama, Mississippi und Teile Floridas sind bedroht. In Florida, das in diesem Jahr bereits von Hurrikan "Charley" und "Frances" heimgesucht wurde, wurden 540.000 Menschen aufgefordert, Wohnwagen und Überschwemmungsgebiete zu verlassen. "Das ist die dritte Runde", sagte Craig Fugate vom Katastrophenschutz. "Inzwischen sollten wir das ganz gut drauf haben." US-Präsident George W. Bush beantragte beim Kongress weitere Finanzhilfen in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) für den unwettergeplagten "Sunshine State".

Die internationalen Ölhändler verfolgen den Lauf des Hurrikans derweil mit Sorge: Ein Viertel der US-Erdgas- und Ölproduktion befindet sich im Golf von Mexico. Hier wurden bereits Öl- und Gasanlagen abgebaut, Raffinerien geschlossen und Tausende Mitarbeiter in Sicherheit gebracht. Laut der Händler wird die Verschiffung wahrscheinlich fünf Tage lang still stehen. Die Angst vor Schäden und Lieferschwierigkeiten der US-Ölindustrie hatte dazu beigetragen, die Ölpreise um bis zu 50 Cents pro Barrel (rund 159 Liter) in die Höhe zu treiben.

"Ivan" wäre der erste Hurrikan, der New Orleans seit 1965 treffen würde. Damals war "Betsy" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde über die Stadt hinweggefegt und hatte sie überflutet. Mindestens 75 Menschen kamen ums Leben.