"Ievoli Sun" Sperrzone um das Wrack eingerichtet
Cherbourg - "Es sprudelt nur so heraus", sagte ein Marinesprecher in Cherbourg. Der Ölkonzern Shell teilte mit, es handele sich wahrscheinlich um die Chemikalie Styrol. Der geschäftsführende Direktor von Shell in Frankreich, Christian Balmes, sagte, sein Unternehmen werde einen Teil der Bergungskosten übernehmen. Er sei besorgt über die Gefahren, die von der Fracht ausgehen könnten.
Die See-Präfektur in Cherbourg berichtete, es seien drei Verschmutzungsspuren gesichtet worden, die jeweils mehrere Kilometer lang und 200 bis 300 Meter breit seien. Die chemische Zusammensetzung der Stoffe werde noch geprüft.
Das leck geschlagene Schiff hat insgesamt 6000 Tonnen giftiger Chemikalien an Bord. Bereits am Mittwoch hatte die Besatzung des französischen Minensuchbootes "Cephee" an der Unglücksstelle einen "starken Styrol-Geruch" ausgemacht. Das Schiff wurde daraufhin wegen Explosionsgefahr abgezogen.
Die französischen Behörden erklärten inzwischen ein Gebiet im Umkreis von sechs Kilometern um das Wrack zum Sperrgebiet. Die genaue Lage der "Ievoli Sun" ist inzwischen bekannt. Das Schiff liegt nach Angaben eines Marinesprechers auf der Seite oder verkehrt herum in 70 Metern Tiefe auf dem Meeresboden.
Frankreich hat darum gebeten, dass bis zum Wochenende keine Schiffe mit gefährlicher Fracht durch den Ärmelkanal fahren sollen. Frankreichs Transportminister Jean-Claude Gayssot wandte sich an seine europäischen Amtskollegen und sagte, angesichts der "schwierigen Wetterlage" müsse alles vermieden werden, was Menschen und Umwelt gefährden könne.
Die Umweltorganisation Greenpeace hat unterdessen die französischen Behörden offiziell darum ersucht, sich an der Überwachung der Untergangsstelle beteiligen zu dürfen. Die französische Vogelschutzorganisation LPO warnte, dass das austretende Styrol "sehr schädlich" für Meerestiere und Vögel sei.
Als mögliche Ursache für die Havarie der "Ievoli Sun" kommt nach Meinung eines deutschen Experten der so genannte Seeschlag in Frage. Dabei könne durch einen plötzlichen Riss oder das Aufplatzen von Nieten Wasser in den Doppelhüllen-Tanker eingedrungen sein, sagte Hans von Wecheln von der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste im NDR.