Illinois: Todesstrafen werden vorerst ausgesetzt - DER SPIEGEL
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Illinois Todesstrafen werden vorerst ausgesetzt

Weil es in der Vergangenheit zu zahlreichen Fehlentscheidungen gekommen ist, sollen auf Anordnung von Gouverneur George Ryan alle in Illinois ausgesprochenen Todesurteile nochmals überprüft werden.
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Chicago - "Es sind Fehler im System, die wir erkennen und beheben müssen", sagte Gouverneur George Ryan. Er werde jede bevorstehende Hinrichtung blockieren, bis alle Fälle überprüft worden seien. Ryan reagierte mit seiner Entscheidung auf die Tatsache, dass seit Wiedereinführung der Strafe 1977 in Illinois mehr zum Tode Verurteilte schließlich als unschuldig freigesprochen als hingerichtet worden sind. Das "Informationszentrum Todesstrafe" rief die anderen Bundesstaaten auf, dem Beispiel zu folgen. Illinois zeige, wie groß die Gefahr nicht wieder gut zu machender Fehler sei.

International bekannt wurde im letzten Jahr der Fall von Anthony Porter. Nach 15 Jahren Haft in der Todeszelle gelang es einer Gruppe von Journalismus-Studenten, mit ihren Recherchen seine Unschuld zu beweisen. Viele schließlich Freigesprochene seien zunächst von nicht geeigneten oder gar nicht zugelassenen Anwälten verteidigt worden, sagte Ryan. Der republikanische Gouverneur beauftragte eine Sonderkommission, das ganze System zu überprüfen. "Ich halte die Todesstrafe für eine angemessene Reaktion auf heimtückische Verbrechen", sagte er. "Aber wir müssen sicher stellen, dass keine Unschuldigen hingerichtet werden."

Nach Kenntnis des "Informationszentrums Todesstrafe" sind in den letzten knapp 25 Jahren 85 Häftlinge aus der Todeszelle entlassen worden, nachdem sich ihre Unschuld herausgestellt hatte. Spitzenreiter ist Florida mit 18 Fällen. Im vergangenen Jahr sind in den USA 99 Menschen hingerichtet worden, die Tendenz ist steigend.