Bismarck-Erbe Im Zwiespalt
Die Direktorin der Völkerkundemuseen in Dresden, Leipzig und Herrnhut, Léontine Meijer-van Mensch, kritisiert die Restitution der berüchtigten Afrika-Sammlung Otto von Bismarcks an dessen Nachfahren: Hierbei gebe es »eine Diskrepanz zwischen dem Juristischen und dem, was ethisch geboten ist«. Viele Objekte stammten aus Strafexpeditionen des Kolonialoffiziers Hermann Wissmann im damaligen Deutsch-Ostafrika, bei denen es zu Massakern kam (SPIEGEL 8/2023). 1948 wurde die Sammlung in der sowjetischen Besatzungszone enteignet, wohl ein Großteil landete schließlich im Leipziger Völkerkundemuseum. Eine Erbengemeinschaft der Bismarcks hat vor Gericht einen Restitutionsanspruch durchgesetzt, der auch die Afrika-Sammlung betrifft. Meijer-van Mensch verweist darauf, dass sie einerseits Benin-Bronzen an Nigeria zurückerstattet und andererseits Objekte der Erbengemeinschaft restituieren muss: »Das ist ein Zwiespalt.« Bislang ist der Anspruch nur bei wenigen Stücken geklärt, etwa einem Elefantenstoßzahn, einem Beutel mit getrockneten Bananenscheiben oder einer Bambuszither.