Indien: Versorgung mit Strom wieder hergestellt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nach Mega-Blackout Stromversorgung in Indien funktioniert wieder

Züge standen still, Ampeln und Klimaanlagen fielen aus: Mehr als 600 Millionen Inder waren von einem gigantischen Stromausfall betroffen. Nun ist die Versorgung wieder intakt - und die Suche nach Verantwortlichen beginnt. Das Krisenmanagement der Regierung steht in der Kritik.
Erleuchtete Häuser in Neu Delhi: Stromversorgung wieder hergestellt
Erleuchtete Häuser in Neu Delhi: Stromversorgung wieder hergestellt

Erleuchtete Häuser in Neu Delhi: Stromversorgung wieder hergestellt

Foto: ADNAN ABIDI/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neu Delhi - Indien hat wieder Strom: Nach gigantischen Ausfällen im Elektrizitätsnetz an zwei Tagen in Folge ist die Versorgung im ganzen Land wieder hergestellt. Das teilte die staatliche Netzbetreibergesellschaft mit. Am Dienstag hatten Stromausfälle halb Indien lahmgelegt, als die Netze im Norden, Osten und Nordosten des Landes zusammenbrachen. In der betroffenen Region leben mehr als die Hälfte der 1,2 Milliarden Menschen im Land. Bereits am Tag zuvor war das Netz im Norden des Landes ausgefallen.

Mitten in der Krise besetzte die Regierung den Posten des Energieministers neu. Veerappa Moily folgte auf Sushil Kumar Shinde. Die "Times of India" kommentierte, die Umbesetzung sei so, als ob "man nach der Kollision mit dem Eisberg den Kapitän der Titanic auswechselt". Shinde, so das Blatt, hätte wenigstens mehr Erfahrung im Krisenmanagement gehabt.

Laut dem neuen Energieminister Moily soll eine Untersuchung klären, was den Stromausfall verursachte. Er wolle nicht über die Gründe spekulieren, sagte der Minister. Als mögliche Erklärung gilt, dass einzelne Bundesstaaten das Netz überlasteten, indem sie mehr Strom abriefen als ihnen zustand. Dagegen spricht, dass es dann laut Experten ständig zu Zusammenbrüchen des Stromnetzes kommen müsste.

Laut einem Industrieverband kostet der Stromausfall indische Unternehmen Hunderte Millionen Dollar. Der Verband forderte grundlegende Reformen des indischen Stromsektors, der mit dem wachsenden Energiebedarf Schritt halten müsse. In Indien kommt mehr als die Hälfte der Energie aus Kohlekraftwerken. Der Kohlenachschub wird von staatsnahen Unternehmen kontrolliert. Eine Untersuchung ergab vor kurzem, dass kein Kohlekraftwerk Reserven für mehr als sieben Tage hatte.

Viele Anlagen im indischen Stromsystem sind überaltert. Oftmals wird Strom illegal abgezapft. Bauern bekommen kostenlose Elektrizität garantiert - und haben deshalb keinen Anreiz, Strom zu sparen.

ulz/dpa/AP