Indien: Viele Kinder sind krank - DER SPIEGEL
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Indien Viele Kinder sind krank

Eine Woche nach dem schweren Erdbeben sind rund 500 000 Menschen obdachlos. Besonders betroffen sind die Kinder. Viele sind geschwächt. Die Helfer stellen sich unterdessen auf einen langen Einsatz im Katastrophengebiet ein.
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Bhuj - Im indischen Katastrophengebiet sind eine Woche nach dem Erdbeben viele Kinder krank. Sie leiden unter Erkältungen und schwerer Bronchitis. "Wir müssen aufpassen, dass daraus keine Lungenentzündungen werden", sagte Susanne Anger vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) am Freitag in Bhuj. Die Menschen hätten kaum eine Chance, sich vor Erkältungen zu schützen. "Die Nächte sind kalt, und die Leute müssen draußen schlafen", sagte Anger.

Im Zeltkrankenhaus des Roten Kreuzes werden die ersten Patienten behandelt. Die meisten kommen wegen Wundinfektionen. Beim schlimmsten Erdbeben in der indischen Geschichte mit einer Stärke von 7,9 auf der Richterskala waren vor einer Woche bis zu 100.000 Menschen ums Leben gekommen. 200.000 Menschen wurden verletzt. Mehreren tausend Verletzten mussten Arme oder Beine amputiert werden. Die Zahl der Obdachlosen wird auf 500.000 geschätzt.

Die sanitären Einrichtungen in Kutch seien total zusammengebrochen, sagte der Arzt Jitendra Adhia. Die Gefahr durch verschüttete Leichen in zerstörten Häusern ist nach Aussage Angers nicht so akut. Beobachter sagten aber, geborgene Leichen würden bei Massenbestattungen nicht vollständig verbrannt. Experten warnten auch vor Cholera, Typhus und, bei den Verletzten, vor Tetanus.

Die Suchtrupps aus Deutschland und der Schweiz haben ihre Einsätze im Erdbebengebiet inzwischen beendet. Sie rechnen nicht mehr mit Überlebenden der Katastrophe. Am Mittwoch hatten sie die vermutlich letzten noch lebenden Menschen aus den Trümmern eingestürzter Häuser geborgen. Ein Mädchen in Bhuj war 130 Stunden verschüttet gewesen, eine Frau in Ahmedabad wurde 114 Stunden nach dem Erdbeben gerettet.

Nach Berichten der Zeitung "Indian Express" ist es zwischen Banden im Katastrophengebiet zu Kämpfen um Hilfsgüter gekommen. Einige Gruppen würden sie hamstern. Bei einem Streit um Hilfsgüter sei ein Mann ermordet worden, schrieb die Zeitung.

Die Helfer im Erdbebengebiet bereiten sich unterdessen auf einen langfristigen Einsatz vor. Rund 15 Helfer sollen in der völlig zerstörten Stadt Bhuj rund 100 Tage lang zum Einsatz kommen, berichtete das Technische Hilfswerk in Bonn. Die Helfer sollen vor allem Trinkwasser aufbereiten und verteilen. Ein Bergungsteam des Technischen Hilfswerks soll dagegen am Freitagmorgen nach Frankfurt am Main zurückkehren.

Das Deutsche Rote Kreuz, das in Bhuj für die Trinkwasserversorgung einer Zeltklinik zuständig ist, stellte eine hohe Belastung des Wassers aus einem Teich mit Fäkalien fest. "Das kann schon bald zur Ausbreitung von schweren Durchfallerkrankungen führen", sagte Susanne Anger vom DRK. Über 700.000 Kinder unter 14 Jahren seien dringend auf internationale Hilfe angewiesen, berichtete das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef.