Indische Mode Erotisch bis flatterhaft
Neu-Delhi - Die Veranstalter der Schauen in der indischen Hauptstadt sehen sich als Verfolger in einem Aufholrennen - wenigstens, was breite Aufmerksamkeit und öffentlich zur Schau getragene Empörung angeht.
Am Anfang stand eine Spaltung: Weil sich das Fashion Design Council of India (FDCI) und der Kosmetikhersteller Lakme nicht über die Höhe der Sponsorengelder für die traditionsreichen Delhier Schau "Wills Fashion Week" einigen konnten, liefen Models in der vergangenen Woche über Laufstege der Hafenstadt Bombay, zur Konkurrenzveranstaltung "Lakme Fashion Show".
Aufmerksamkeitsträchtige Absicht oder schlichte Panne - die Schau in Bombay debütierte mit einem handfesten Skandal, der in der englischsprachigen indischen Presse als "wardrobe malfunction" beschrieben wird - als Bekleidungsfehlfunktion. Ein von Carol Gracia vorgeführtes Oberteil rutschte und gewährte den Zuschauern wie den Objektiven der Fotografen einen Blick auf die Brüste des Models.
Die Behörden kündigten eine Untersuchung der Videoaufnahmen des Auftritts an. Eine "mutwillige" Aktion hatte ein Minister des betreffenden Bundesstaats vermutet. Kurz darauf öffnete sich der Reißverschluss am Rock der früheren Miss Indien, Gauhar Khan, und entblößte ihren Po.
"Ganz klar ein Versehen", attestierte Modedesigner Narendra Kumar in der Zeitung "The Indian Express". Eiligst vorgenommene Änderungen und wenig zuverlässige Nähte sind bei Modeschauen nicht eben unbekannt. Außerdem, fügte Kumar hinzu, lebe man ja glücklicherweise in einem freien Land.
Bei konservativen Politikern in Bombay provozierten die Fehlfunktionen hingegen wütende Reaktionen. Dort hatten Sittenwächter zuletzt im Zuge einer Moral-Kampagne die Tanzbars der Stadt schließen lassen - und damit tausende Tänzerinnen ihrer Arbeit beraubt. "Wenn wir feststellen sollten, dass es sich hier nicht um Unfälle gehandelt hat, werden wir gegen die Organisatoren der Modeschauen vorgehen", hatte der stellvertretende Premierminister des Bundesstaates Maharashtra, R. R. Patil, gedroht.
Jede Menge Aufmerksamkeit also, gegen welche die offizielle Show in Neu-Delhi nun ankämpfen muss. In 70 Schauen zeigen über 100 Models Entwürfe von fast 115 indischen Designern. Unter den Zuschauern sind Einkäufer internationaler Kunden wie Browns, H&M und Saks Fifth Avenue.
stx/Reuters