Indonesien: Aufgedunsene Leichen säumen die Straßen - DER SPIEGEL
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Indonesien Aufgedunsene Leichen säumen die Straßen

Neue Schreckensmeldungen aus bisher unzugänglichen Regionen lassen die Zahl der Toten weiter ansteigen: Die Behörden schätzen, dass mehr als 40.000 Menschen den Flutwellen in Südostasien zum Opfer gefallen sind. Allein in Indonesien rechnet die Regierung mit 25.000 Toten, in der Provinz Aceh ist die gesamte Küste verwüstet.
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Jakarta - Die Straßen der Provinzhauptstadt Banda Aceh, die nur 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt, war am Dienstag von aufgedunsenen Leichen gesäumt, von Tierkadavern und umgekippten Autos. Das einzige Einkaufszentrum der Stadt lag in Trümmern. Das Minarett der 150 Jahre alten Moschee stand bedrohlich schief. Tausende obdachlos gewordene Familien kauerten apathisch in Gotteshäusern und Schulen.

Aceh war das Zentrum des Bebens. Die Menschen dort wurden aber auch Opfer der gigantischen Wellen. In der 400.000-Einwohner-Stadt beklagen die Überlebenden nun ihre toten Angehörigen. Mütter bettelten um Almosen oder materielle Hilfe, manche halten ihre toten Kinder im Arm. Abdul Dahlan, ein 27 Jahre alter Fischer aus dem Dorf Pidie, erinnert sich an den Beginn der Tragödie. "Ich saß am Strand und wartete auf die Rückkehr meines Bruders. Plötzlich wurde es ganz leise, dass Wasser zog sich zurück. Dann sah ich die Welle. Mein Haus ist zerstört. Das Einzige, was mir geblieben ist, ist das, was ich anhabe."

Am dritten Tag nach dem Hereinbruch der Katastrophe fehlt es hier nicht nur an Leichensäcken, sondern auch am Nötigsten zum Überleben - an Wasser und Lebensmitteln. "Wo ist denn die Hilfe? Nichts ist da. Die gesamte Regierung schläft", beklagt sich Mirza, ein 28-jähriger aus Banda Aceh. "Ich warte hier schon über eine Stunde, zu Hause ist nichts mehr da", schimpft laut ein anderer junger Mann. Hunderte Soldaten und Freiwillige schleppten die in der Hitze bereits unförmig aufgeblähten Leichen weg, hin zu Massengräbern, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern.

Vom Bürgerkrieg spricht keiner mehr

Allein in Indonesien seien durch das Seebeben und die daraus entstandenen Monsterwellen bis zu 25.000 Menschen getötet worden, teilte Indonesiens Vizepräsident Yusuf Kalla mit. "Wir haben noch keine Bestätigung. Aber ich gehe von 21.000 bis 25.000 Toten aus", sagte Kalla laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Antara.

Tausende Menschen im gesamten Golf von Bengalen wurden am Montagabend noch vermisst. Allein in den am schlimmsten betroffenen Ländern Sri Lanka und Indonesien wurden jeweils eine Million Menschen obdachlos. Wegen der großflächigen Überschwemmungen und fehlenden Trinkwassers befürchteten Regierungsstellen und Hilfsorganisationen den Ausbruch von Seuchen wie Malaria und Cholera. An mehreren Flughäfen in Thailand brach Chaos aus, weil zahlreiche Touristen, darunter viele Verletzte, das Land fluchtartig verlassen wollten.

Weil vielerorts das Wasser noch nicht abgeflossen war, konnten die Leichen nicht beerdigt werden und verwesten schnell in der Tropenhitze. Wo möglich, wurden Massengräber angelegt, so in dem indischen Dorf Cuddalore, wo 150 Kinder in einer Grube beigesetzt wurden. In Malaysia machten nach offiziellen Schätzungen Kinder, die in der Brandung spielten und von der Flutwelle überrascht wurden, ein Drittel der Opfer aus. In Sri Lanka, mit mindestens 12.000 Toten eines der am stärksten betroffenen Länder, entsandte die Regierung 25.000 Soldaten zur Katastrophenhilfe. In Indien rissen die Fluten mindestens 4000 Menschen in den Tod. Thailand meldete offiziell etwa 900 Tote, darunter auch ein Enkel des thailändischen Königs. In Malaysia kamen 52 Menschen in den Fluten um, auf den Malediven 43, in Birma 34, in Bangladesch zwei.

In Indien brachten Hubschrauber Hilfsgüter in besonders betroffene Gebiete. In Thailand eilten Kriegsschiffe in Urlaubsgebiete, um Überlebende zu evakuieren. Unterdessen kamen aus aller Welt Hilfslieferung und Hilfsmannschaften in den Krisenregionen an.

Regierungsstellen in Indonesien und Thailand gaben zu, dass es keine ausreichenden Warnungen vor der Flutwelle gegeben habe. Zugleich betonten sie aber auch, dass es für die Region kein internationales Warnsystem wie im Pazifik gebe.

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