Indonesien Die Nachbeben kamen in der Nacht
Jakarta - Eines der Nachbeben erreichte eine Stärke von 6,3 auf der Richter-Skala, teilten Wissenschaftler heute in Hongkong mit. Auch drei Tage nach dem schweren Beben vom Ostermontag ist noch unklar, wie viele Menschen getötet wurden. Die Vereinten Nationen meldeten 500 bisher bestätigte Opfer. Vertreter Indonesiens rechnen jedoch mit bis zu 2000 Toten.
Französische Rettungskräfte retteten gestern eine Überlebende aus den Trümmern ihres Hauses auf Sumatra. Mehr als zwei Tage hatte sie Berichten eines australischen Fernsehsenders zufolge unter dem Schutt gelegen. "Meine Tochter und meine Schwester sind tot, sie liegen im Wohnzimmer", sagte die Frau.
Von den höher gelegenen Hügeln kehrten hungrige Einwohner langsam in die Stadt Gunungsitoli zurück. Die Angst, das Beben vom Montag könnte ähnlich verheerende Tsunamis wie im Dezember auslösen, hatte sie von der Küste fort auf die umliegenden Hügel und Berge getrieben. Vor drei Monaten waren solche von einem Seebeben ausgelösten Flutwellen über die Region hinweggefegt und hatten rund 300.000 Menschen in den Tod gerissen. "Die letzten zwei Tage sind wir oben in den Bergen geblieben, weil wir Angst vor einem Tsunami hatten", berichtete der 50-jährige Ama Rori. "Wir haben gehört, dass jetzt kein Tsunami droht. Aber wir haben nichts. Sie sagen, sie werden heute Nahrung verteilen. Wir müssen warten."
Auf der Insel Nias, die zu den am schlimmsten betroffenen Zonen gehört, seien mittlerweile immer mehr Helfer im Einsatz, berichteten Behördenvertreter. "Hilfe ist angekommen, es hat Fortschritte gegeben", sagte ein Regierungsvertreter der Insel. Hunderte indonesischer Soldaten seien im Einsatz und mit der Rettung von Überlebenden und der Bergung von Leichen beschäftigt. Einige Teile der Insel seien jedoch weiterhin schwer zugänglich, berichten Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes. Auch eine Gruppe australischer Ärzte sei mittlerweile auf der Insel. Mit Hubschraubern wurden erste Schwerverletzte ausgeflogen.
Auf der als Surferparadies bekannten Insel Nias und den nördlich davon liegenden Banyak-Inseln sei der Schaden immens, berichtete ein indonesischer Minister. "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir die Kosten noch nicht kalkulieren." Der Mangel an Ausrüstung verlangsame die Arbeit, schweres Gerät sei jedoch unterwegs.
Nach Aussage des australischen Außenministers Alexander Downer werden in der Bebenregion nun vier seiner Landsleute vermisst. Auch die britische Botschaft in Jakarta meldete einen Vermissten.