Indonesien Erdbebenopfer sollen Java verlassen
Bantul - Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben auf Java ist die Zahl der Todesopfer weiter gestiegen: Bei dem Beben seien mindestens 6234 Menschen umgekommen und über 46.100 verletzt worden, erklärte das indonesische Sozialministerium heute. Nach Uno-Angaben verloren durch den Erdstoß schätzungsweise 600.000 Menschen ihr Zuhause. Auch knapp 270 Schulen und 50 Kilometer Straßen sowie Brücken seien zerstört worden.
Bislang sind laut Uno mehr als 22.000 Patienten im Erdbebengebiet behandelt worden. Dennoch seien die Krankenhäuser weiter völlig überlastet. Vor den überfüllten Hospitälern lagern Kranke auf Feldbetten. Einige warten mit provisorischen Arm- und Beinschienen aus Pappe seit Samstag auf ärztliche Versorgung. Die Helfer versuchten nach der ersten Notversorgung, die Menschen nach Hause zu schicken. Doch wohin gehen, wenn es kein Zuhause mehr gibt?
Viele Menschen müssen nach wie vor im Freien übernachten. Die Regierung will nun Tausende Zelte aus dem Tsunami-Gebiet in Aceh nach Java bringen. Ein Uno-Koordinator versicherte, die Kräfte vor Ort reichten jedoch grundsätzlich aus, um der Situation Herr zu werden. Die indonesische Regierung hatte ihren Katastropheneinsatz im anfänglichen Chaos der vergangenen Tage mehrfach gegen Kritik verteidigen müssen. Wie eine Zeitung aus Jakarta heute berichtet, hat das Gesundheitsministerium bisher mehr als 20 Milliarden indonesische Rupiah (etwa 1,7 Millionen Euro) in die medizinische Versorgung der Überlebenden investiert.
Ein Regierungsmitglied legte den Überlebenden aus der Erdbebenregion der indonesischen Hauptinsel Java nahe, auf andere Inseln umzusiedeln. Betroffene könnten nach Sumatra oder in den indonesischen Teil von Borneo ziehen, erklärte Migrationsminister Erman Suparno heute laut der Online-Nachrichtenagentur Detikcom. Dort halte die Regierung Häuser und Land für 12.000 Familien bereit.
Der Vulkan brodelt
Das Welternähungsprogramm hat bislang 185 Tonnen Lebensmittel verteilt. Zwölf Länder haben Einsatzkräfte und Hilfsgüter auf die Insel Java geschickt, ein Dutzend weiterer Regierungen hat finanzielle Hilfen von mindestens 21 Millionen Euro angekündigt. Der indonesische Entwicklungsminister Paskah Suzetta sagte heute, trotz vielfacher Angebote wolle sich das Land nicht auf Darlehen aus dem Ausland einlassen: "Wir ziehen finanzielle Zuschüsse vor."
Sorge bereitet zudem weiter der nahe Vulkan Merapi. Heute Morgen habe der seit Wochen brodelnde, knapp 3000 Meter hohe Berg innerhalb von sechs Stunden 36 heiße Wolken ausgestoßen, berichtete ein Vulkanologe der Merapi-Beobachtungsstation. "Die Aktivität des Merapi ist noch immer hoch und tendiert zu steigen", sagte der Vulkanologe. Einen Zusammenhang mit dem Erdbeben schließen Experten nicht aus.
str/AFP/dpa