Indonesien: Forscher befürchten weitere Beben - DER SPIEGEL
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Indonesien Forscher befürchten weitere Beben

Die Menschen in Indonesien erleben ihr zweites Trauma binnen drei Monaten. Mehr als tausend Menschen sind durch das verheerende Erdbeben ums Leben gekommen, in manchen Regionen steht kein Haus mehr - und Forscher prognostizieren bereits das nächste starke Beben.
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Jakarta - Die Helfer dringen nur langsam ins Katastrophengebiet vor. Auf der Hauptstraße von Gunung Sitoli wurden sämtliche Häuser dem Erdboden gleich gemacht. Die gesamte Insel Nias war noch ohne Strom. Da der Flugplatz von den Erdstößen zerstört wurde, können nur Hubschrauber landen und die Menschen mit dem Nötigsten versorgen. Ein Fußballplatz wurde zu einem Flüchtlingslager umfunktioniert, und die Helikopter der Vereinten Nationen wurden von zahlreichen Menschen umringt. "Das Problem ist, überhaupt in das Katastrophengebiet zu gelangen", sagte der Sprecher des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, John Budd.

Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesaußenminister Joschka Fischer bekundeten ihr Beileid. Köhler nannte es "unfassbar", dass so kurz nach nach der Tsunami-Flutwelle eine weitere große Zahl an Menschen ihr Leben verloren habe. Schröder schrieb an Präsident Susilo Yudhohone: "Wir wollen Ihnen in diesen schweren Stunden nach Kräften beistehen." Fischer bat dem indonesischen Außenminister Hassan Wirajuda um Nachricht, wenn Deutschland mit "praktischer Hilfe" beistehen könne.

Die deutschen Urlauber in der Region überstanden das Beben offenbar unbeschadet. "Über deutsche Opfer ist uns bislang nichts bekannt", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Unter den Todesopfern seien keine Gäste deutscher Reiseveranstalter, bestätigte der Geschäftsführer des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalterverbandes (DRV), Tobias Jüngert. Die Insel Nias spiele als Reiseziel für Deutsche nur eine "sehr geringe Rolle", die meisten Veranstalter hätten sie nicht im Programm.

US-Präsident George W. Bush sprach sein Beileid aus und stellte rasche Hilfe beim Wiederaufbau in Aussicht. "Wir beten für sie", sagte Bush im Weißen Haus. US-Experten stünden mit den zuständigen Stellen in der Region in Kontakt, um auszuloten, wie am besten geholfen werden könne. "Die Regierung ist darauf vorbereitet, schnell zu handeln", sagte Bush.

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Neues Seebeben: Luftbilder der Katastrophe

Foto: AFP

Seismologen erklärten unterdessen, die erneuten Erdstöße im Indischen Ozean seien durch einen erhöhten geologischen Druck nach dem Beben vom 26. Dezember ausgelöst worden. Sie warnten vor einem dritten schweren Erdbeben in der Region, da der Druck nun weiter wachsen werde. Möglicherweise könnte sich ein erneutes Beben innerhalb der kommenden drei Monate ereignen.

Der katholische Nachrichtendienst Misna zitierte den Missionar Raymond Laia mit den Worten, die Stadt Gunung Sitoli sei völlig zerstört. Hunderte Verletzte suchten in seiner nahe gelegenen Missionsstation Hilfe. Sie berichteten, dass es in der Stadt Tausende Verletzte gebe und dass das Krankenhauspersonal geflohen sei, sagte der Geistliche.

Auch die Lage auf anderen Sumatra vorgelagerten Inseln ist noch unübersichtlich. Nach Informationen der Welthungerhilfe sollen auf der Nachbarinsel Simeulue mehrere hundert Menschen getötet worden sein. Eine drei Meter hohe Flutwelle soll die Insel, die bereits Ende Dezember schwere Schäden erlitten hatte, getroffen haben. Dort gingen die Behörden laut Fernsehberichten von etwa hundert Opfern aus.

Nach dem Beben will Thailand nun den Aufbau eines eigenen Tsunami-Warnsystems beschleunigen und bis Ende April abschließen. "Wir wollen nicht länger auf andere Länder warten", sagte Ministerpräsident Thaksin Shinawatra. Das Warnsystem für sechs Provinzen im Südwesten des Landes werde mit internationalen Netzwerken verknüpft. Die Informationen sollen auf Mobiltelefone geschickt sowie an Fernseh- und Radiostationen weitergegeben werden.

Das deutsche Frühwarnsystem in der Region soll trotz der erneuten Katastrophe nicht schneller als geplant eingerichtet werden. Ein Sprecher des Bundesforschungsministeriums sagte, die Pläne seien bereits "sehr ehrgeizig" und könnten nicht beliebig beschleunigt werden. Erst vor zwei Wochen hatten Deutschland und Indonesien die Lieferung des federführend vom Geoforschungszentrum in Potsdam entwickelten Systems vereinbart. Demnach werden im Oktober als Teil des Projektes satellitengestützte Messbojen in indonesischen Gewässern ausgesetzt.

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