Indonesien Massenpanik nach Tsunami-Gerüchten
Jakarta/Pangandaran - Die Menschen flohen zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Auto aus den Notquartieren. Erst nach einer halben Stunde gelang es Sicherheitskräften, die traumatisierten Menschen zu beruhigen. "Die Leute fingen plötzlich an zu rennen, also rannte ich mit", berichtet einer der Geflüchteten.
Der 270 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Jakarta gelegene Urlaubsort war am Montag von der verheerenden Welle überrollt worden. Seitdem müssen die Behörden die Zahl der Toten immer wieder nach oben korrigieren. Den jüngsten Angaben zufolge wurden bislang mindestens 531 Menschen Opfer der Flutwelle. Allein in Pangandaran kamen 118 Menschen ums Leben. Rund 280 Personen werden noch vermisst. Nach ihnen wird derzeit mit schwerem Gerät gesucht.
Die indonesische Presse diskutiert nun, warum die Warnung die Küstenbewohner nicht erreichte. Die "Jakarta Post" kritisiert in ihrer heutigen Ausgabe, dass die zuständige Behörde nichts "Nennenswertes getan hat, um die Menschen besser auf Katastrophen vorzubereiten". Versäumt worden sei vor allem, ein effektives Warnsystem aufzubauen.
Die Regierung musste gestern einräumen, die Bevölkerung nicht rechtzeitig alarmiert zu haben. 45 Minuten vor dem Aufprall der Riesenwelle auf die Insel Java habe die Regierung zwei Tsunami-Warnungen erhalten, sagte Forschungsminister Kusmayanto Kadiman. Diese Warnungen seien aber nicht veröffentlicht worden, weil die Regierung keine unnötige Panik habe auslösen wollen.
Der Tsunami war von einem Seebeben der Stärke 7,7 vor der Küste ausgelöst worden. Die zwei Meter hohe Flutwelle zerstörte Urlaubsorte und Fischerdörfer an einem rund 180 Kilometer langen Küstenabschnitt von Java. Stellenweise kam das Wasser 200 Meter tief ins Land.
Von der Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004 war Java verschont geblieben. Damals kamen allein auf Sumatra mehr als 130.000 Menschen ums Leben. Insgesamt wurden rund 216.000 Menschen getötet.
str/reuters/AP/AFP/dpa