Indonesien Neue schwere Erdbeben erschüttern Sumatra
Jakarta/Washington - Die Erdbebenserie vor der indonesischen Insel Sumatra reißt nicht ab. Erst gestern waren mindestens sechs Menschen bei einem Beben gestorben, mindestens 38 weitere wurden verletzt - Stunden später erschütterten neue Stöße die Insel: Die Behörden gaben nach dem Erdstoß vorübergehend eine Tsunami-Warnung heraus, wie Meteorologen mitteilten. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte hatte das Beben in zehn Kilometer Tiefe die Stärke 7,8. Es war bis ins benachbarte Singapur zu spüren. In der Küstenstadt Padang auf Sumatra stürzten zahlreiche Häuser ein, wie der örtliche Bürgermeister Fauzi Bahar dem Radiosender El Shinta sagte.
Auf den Erdstoß folgte mindestens ein starkes Nachbeben der Stärke 6,8. Die indonesische Regierung hob eine vorsorglich herausgegebene Tsunami-Warnung nach rund einer Stunde wieder auf. Es war die vierte Warnung vor Riesenflutwellen innerhalb von 24 Stunden. Gestern hatte ein Seebeben der Stärke 8,4 vor der Küste Sumatras vorübergehend Erinnerungen an die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 wachgerufen.
Die Informationen aus der Erdbebenregion sind noch spärlich. Dafür seien unter anderem die Dunkelheit und Kommunikationsprobleme verantwortlich, hieß es. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono forderte nach Angaben seines Sprechers die Entsendung von Einheiten der Streitkräfte und der Polizei mit Hilfsgütern wie Medizin und Nahrungsmitteln in das Erdbebengebiet an. Ein Team der Vereinten Nationen soll nach Uno-Angaben von Banda Aceh im Norden von Sumatra aufbrechen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen.
Erhebliche Schäden hatten die Beben vor allem in der indonesischen Provinz Bengkulu angerichtet. Etliche Häuser seien zerstört worden, sagte ein Sprecher der Geophysik-Behörde in Jakarta. Ein Polizist berichtete einem Radiosender, er habe ein dreistöckiges Haus einstürzen sehen. Überall seien Menschen in Panik auf die Straße gerannt und von der Küste in höher gelegene Regionen geflüchtet. Der Strom fiel aus, die Telefonnetze brachen zusammen. Die Provinz Bengkulu hat rund 1,4 Millionen Einwohner.
Wegen der starken Nachbeben kehrten viele Menschen nicht in ihre Häuser zurück. Auch Krankenhäuser wurden evakuiert und die Patienten in Zelten untergebracht. Ein Mann in Bengkulu berichtete: "Meine Frau spülte gerade Geschirr ab, und meine zwei Söhne nahmen gerade ein Bad." Dann sei das Dach eingestürzt, Trümmerteile hätten seine Frau am Kopf getroffen. "Sie ist tot." In Bengkulu waren im Jahr 2000 rund hundert Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 7,3 ums Leben gekommen.
Das erste Erdbeben hatte sich gestern am frühen Abend vor Sumatra ereignet, um 13.10 Uhr deutscher Zeit. Das Hypozentrum lag nach Angaben der US-Geologiebehörde etwa 130 Kilometer südwestlich von Bengkulu in rund 30 Kilometer Tiefe. Der Erdstoß war hunderte Kilometer weit bis nach Singapur und Malaysia zu spüren. Die Erdstöße erschütterten auch die Provinz Banten in Westjava. In der 600 Kilometer entfernten Hauptstadt Jakarta schwankten Hochhäuser, Menschen liefen in Panik auf die Straßen. Auch in Singapur und Kuala Lumpur wurden einige Hochhäuser geräumt.
Vor der Westküste Sumatras hatte auch das Epizentrum des verheerenden Bebens Weihnachten 2004 gelegen, das den Tsunami mit mehr als 230.000 Opfern auslöste. Das Beben hatte die Stärke 9,0. Weil sich die Beben ähnelten, schätzte das Geoforschungszentrum Potsdam die Wahrscheinlichkeit einer Flutwelle gestern zunächst als "sehr hoch" ein.
anr/dpa/AP/AFP