Ingolf Lück im Interview "Angela Merkel wäre klasse!"
SPIEGEL ONLINE:
"Schönheit ist machbar" lautet der Untertitel Ihrer neuen Serie. Was ist denn überhaupt "schön"?
Ingolf Lück: Für mich gibt es kein Schönheitsideal im klassischen Sinne und auch nicht den perfekten Menschen. Es kann doch sein, dass jemand ein wunderschönes Gesicht hat, aber auch einen fürchterlich dicken Hintern, oder schöne Hände, aber leider auch krumme Füße. Oder jemand hat schöne Augen, aber eine lange Nase, mit der er sich durchs Leben schlagen muss. Allerdings arbeiten Schönheitschirurgen nach dem so genannten "goldenen Schnitt", der Nase und Lippen in einen bestimmten Winkel zueinander setzt.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie schon "Nasen" ansprechen, betrachten Sie sich dann selbst auch als Fall für die Schönheitschirurgie?
Lück: Heute kann Schönheit doch wirklich von jedem erkauft, erlitten oder erhungert werden. Irgendwann aber, wenn alle gleich aussehen, wird den Leuten dieses erkaufte Schönheitsideal auf den Nerv gehen. Dann schlägt die Stunde der Menschen, die vielleicht, wie ich, mit einer relativ auffälligen Physiognomie geschlagen sind. Dann werde ich wie Phönix aus der Asche auferstehen.
SPIEGEL ONLINE: Mussten Sie schon mal unter Ihrem Äußeren leiden?
Lück: Ich war ein dickes Kind. Da hat man es dann natürlich nicht leicht, beim Fußball wurde ich immer, gemeinsam mit einem Kleinen in meiner Klasse, als letzter gewählt. Deshalb gibt es auch so viele kleine Männer in meinem Freundeskreis. Irgendwann wurde es mir zu viel, und ich habe dann wochenlang eine Heidelbeerjoghurt-Diät gemacht. Das hat geholfen, allerdings ist mein Verhältnis zu Heidelbeerjoghurt seitdem gestört.
SPIEGEL ONLINE: Schönheitswahn und Schönheitschirurgie - braucht dieses Phänomen überhaupt noch die Komik, oder ist das nicht schon per se Realsatire?
Lück: Comedy braucht eine Vorgabe, etwas worauf sie sich stützen kann. Wenn sich jedes zweite Mädchen in den USA einen neuen Busen wünscht und wenn in Deutschland Frauen auf den Sommerurlaub verzichten, um sich dann prallere Lippen leisten zu können, dann ist das doch ein wunderbares Thema für uns.
SPIEGEL ONLINE: Der "Doc" ist ein Promi-Arzt. Wer hätte einen schönheitschirurgischen Eingriff unbedingt mal nötig?
Lück: Angela Merkel wäre doch klasse, oder nicht?! Ich glaube, sie wäre eine wunderbare Patientin, allerdings würden wir da wohl mehrere Folgen brauchen.
SPIEGEL ONLINE: So, jetzt mal wieder ernsthaft; Harald Schmidt sagt, dass Comedy tot ist. Was nun?
Lück: Heute dominieren Real-Life- und Quiz-Formate das Fernsehen. Aber was soll's? Der Comedy-Boom, den es mal gegeben hat, der ist natürlich vorbei. Die "Wochenshow" hat es aber schon gegeben, bevor dieser Boom einsetzte, und es gibt uns heute, wo er vorüber ist, immer noch.
SPIEGEL ONLINE: Immerhin verliert auch die "Wochenshow" an Quote, obwohl Sie mal sicher waren, dass "dieses Format nicht altert" ...
Lück: In diesem Jahr sind wir wieder erstarkt. Kein Wunder, die "Wochenshow" reagiert auf das, was die Woche über passiert. Und mit Becker, Daum und Fischer haben wir zuletzt genug zu tun gehabt. Und dass die Quote nicht okay ist, das schreibt doch nur einer vom anderen ab. Ich kann Ihnen versichern, dass ich mir keine Sorgen um meine berufliche Zukunft mache.
SPIEGEL ONLINE: Ist es der Comedy im TV dienlich, wenn Ihr Kollege Stefan Raab demnächst nahezu täglich "TV Total" veranstaltet?
Lück: Es gibt ein großes Interesse der Zuschauer an Comedy, und warum sollte ein Raab nicht viermal die Woche Comedy veranstalten, solange das Publikum einschaltet. Ich kann das ganze Gerede der Kulturkritiker einfach nicht mehr hören. Es geht doch darum, Spaß zu haben, und über einen Dirk Bach kann ich auch noch in der dritten Wiederholung lachen.
SPIEGEL ONLINE: Für Sie als eingefleischten Fan ist Fußball ein ernstes Thema; die Pressekonferenz von Christoph Daum war aber doch wohl eher Comedy.
Lück: Es gibt freiwillige und unfreiwillige Komik. Diejenigen, die damals versucht haben, bewusst Comedy zu machen, also Raab und Zerlett, die haben es an diesem Tag nicht geschafft. Comedy, allerdings wohl eher unfreiwillig, war dann schon eher das, was sich zwischen Christoph Daum und den fragenden Journalisten abgespielt hat.