PSYCHOLOGIE Inhalieren für die Stimmung
Der Ex-Raucher und Ratgeber-Autor Allen Carr ("Endlich Nichtraucher") hat es schon immer gewusst: Rauchen ist kein Genuss. Der Süchtige greift nur nach der Zigarette, um die unangenehmen Symptome des Nikotin-Entzugs zu beseitigen. Nun bekommt er für seine These wissenschaftliche Unterstützung. Der Psychologe Andy Parrott von der University of East London hat aus der vergleichenden Analyse verschiedener Studien ein Modell dafür abgeleitet, warum es Rauchern so schwer fällt, von ihrer Sucht loszukommen. Danach senkt der Nikotin-Entzug zwischen zwei Zigaretten die Stimmung, der nächste Glimmstengel hebt sie wieder. Das empfinden Raucher als Genuss, und diese Erfahrung wiederholen sie bei durchschnittlich 60 000 Nikotin-Inhalationen pro Jahr. Ihr fundamentaler Irrtum besteht darin, dass sie glauben, der unangenehme Zustand im Nikotin-Entzug entspreche dem, wie sich Nichtraucher ständig fühlten - und die Zigarette verursache ein überdurchschnittliches Stimmungshoch. In Wahrheit aber sinkt ihre Stimmung im Entzug tief nach unten, und erreicht beim Rauchen nur Normalniveau.