Insel Hispaniola: Cholera erreicht Dominikanische Republik - DER SPIEGEL
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Cholera in Haiti: Leichen und Proteste

Foto: Andres Martinez Casares/ dpa

Insel Hispaniola Cholera erreicht Dominikanische Republik

In Haiti sind die Gesundheitszentren zunehmend vom Andrang neuer Cholera-Patienten überfordert. Inzwischen wird auch aus dem Nachbarland Dominikanische Republik der erste Krankheitsfall gemeldet.
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Santo Domingo/Port-au-Prince - Vier Wochen nach dem Ausbruch der Cholera in Haiti ist der erste Infizierte in der benachbarten Dominikanischen Republik registriert worden. Wie das Gesundheitsministerium in Santo Domingo am Dienstagabend (Ortszeit) mitteilte, handelt es sich bei dem Kranken um einen aus Haiti stammenden Gastarbeiter.

Der 32-Jährige, der eine Arbeitsgenehmigung für die Dominikanische Republik habe, sei in einem Krankenhaus der Stadt Higüey im Osten des Landes isoliert worden, nachdem die Erkrankung nachgewiesen worden sei, berichtete die Zeitung "El Nacional". Das Gesundheitsministerium betonte, dass es keinen Grund zur Besorgnis gebe, da der Infizierte von den Gesundheitsbehörden überwacht werde.

Der Haitianer war vor wenigen Tagen von einem Besuch in der Heimat zurückgekehrt, wo er sich offensichtlich angesteckt hatte. Die Dominikanische Republik und Haiti teilen sich die Insel Hispaniola in der Karibik östlich Kubas. Die Cholera war am 19. Oktober im zentralen haitianischen Department Artibonite ausgebrochen. Mehr als tausend Menschen sind mittlerweile gestorben, rund 16.000 haben sich infiziert.

"Erst das Beben, jetzt die Cholera-Epidemie - die Menschen gehen seit einem Jahr buchstäblich durch die Hölle", sagte Heribert Scharrenbroich, Vorsitzender von Care Deutschland-Luxemburg. "Es ist unsere humanitäre Pflicht, diesem Leid wirkungsvolle Hilfe entgegenzusetzen." Die Prognosen sind verheerend: Die Uno rechnet mit rund 200.000 Cholera-Infizierten in den kommenden sechs bis zwölf Monaten.

In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince sind die Gesundheitszentren inzwischen vom Andrang neuer Patienten überfordert. Das berichtete der britische Sender BBC unter Berufung auf die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. "Falls die Zahl der Erkrankten weiter so rasch steigt, müssen wir drastische Maßnahmen anwenden, um die Menschen behandeln zu können", sagte Projektleiter Stefano Zannini laut BBC. Präsident René Préval habe die Bevölkerung aufgerufen, Ruhe zu bewahren.

Die Ausbreitung der Seuche im erdbebenzerstörten Haiti hat kurz vor den Wahlen am 28. November bereits zu schweren Unruhen geführt.

Bei gewaltsamen Protesten Tausender kamen am Montag laut BBC zwei Menschen ums Leben. Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gegen die Uno-Mission Minustah. Sie erheben den Vorwurf, Uno-Blauhelmsoldaten aus Nepal hätten den Cholera-Erreger eingeschleppt. Die Vereinten Nationen weisen dies zurück. Sie nehmen an, dass die Demonstrationen zu Zeiten des Wahlkampfs politisch motiviert sind.

Bis zu 70.000 Menschen sind nach Angaben von Caritas International bereits mit dem Erreger infiziert. Die gefährliche, aber heilbare Krankheit wird hauptsächlich durch bakterienverseuchtes Wasser übertragen. In Haiti trinken viele Menschen vor allem auf dem Lande ungereinigtes Flusswasser. An den Grenzübergängen zu Haiti hat die Dominikanische Republik strenge sanitäre Kontrollen eingeführt.

Das Auswärtige Amt in Berlin verzichtete am Mittwoch auf eine Reisewarnung. Derzeit sei die Ansteckungsgefahr für Personen, die sich in den Touristengebieten oder der Hauptstadt Santo Domingo aufhielten, gering, heißt es in den Reise- und Sicherheitshinweisen.

kng/ala/dpa/AFP