Interview mit Franziska Schenk "Wer ist nicht eitel?"
SPIEGEL ONLINE:
Von Rekorden jeglicher Art können Sie offensichtlich nicht genug bekommen. Vermissen Sie da nicht die Jagd nach eigenen Bestleistungen auf dem Eis?
Schenk: Nein, zwar ist das Zuschauen manchmal ein bisschen komisch, aber meine Sportler-Karriere war einfach ein anderes Kapitel, und das ist jetzt abgeschlossen. Zuschauen reicht mir heute aus.
SPIEGEL ONLINE: Mit 26 sind Sie eigentlich im besten Sportleralter. Haben Sie Ihre Karriere zu früh beendet?
Schenk: Nein, ich war Weltmeisterin, habe eine olympische Medaille gewonnen und hatte auch für kurze Zeit den Weltrekord inne. Ich denke also, dass ich genau im richtigen Augenblick meine Karriere beendet habe. Denn schließlich hört man besser zu früh als zu spät auf.
SPIEGEL ONLINE: Bei dem neuen Magazin stehen Sie erstmals in Ihrer noch jungen TV-Karriere alleine im Rampenlicht. Wie schwer wiegt diese Last?
Schenk: Ich habe zwar auch schon die ein oder andere Sportsendung moderiert, "Guinness Mag" ist aber in der Tat das erste Show-Format, für das mein Gesicht alleine steht. Natürlich habe ich mich über diese Chance sehr gefreut, und ich denke, dass die Sendung richtig schön geworden ist. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden damit, der Zuschauer wird es hoffentlich dann auch sein.
SPIEGEL ONLINE: Noch ist aber die Sportberichterstattung Ihr eigentliches Zuhause. In Sydney, bei Olympia 2000, waren Sie für die ARD vor Ort.
Schenk: Da hat alles zusammengepasst. Das waren die ersten Sommerspiele, die ich live mit erleben konnte, noch dazu in der Traumstadt Sydney. Ich hatte viel mehr Zeit, Land und Leute kennen zu lernen als während meiner aktiven Zeit bei Olympia. Für einen Sportler steht dann eben doch der Wettkampf eindeutig im Vordergrund.
SPIEGEL ONLINE: Macht es Interviews leichter, dass Sie das Denken und Fühlen von Sportlern kennen?
Schenk: Man sollte diesbezüglich meine Sportlervergangenheit nicht überbewerten. Ich denke, ich stelle auch nicht wesentlich andere Fragen, als sie die Journalisten stellen, die auf keine solche Vergangenheit zurückblicken können. Das journalistische Handwerk bleibt eben dasselbe.
SPIEGEL ONLINE: Vertrauen Sportler einer ehemaligen Kollegin eher etwas an, als "normalen" Journalisten, die in der Regel erst mal als böser Feind gelten?
Schenk: Sicherlich findet man als ehemaliger Sportler leichter den Zugang zu den Athleten. Mein Gegenüber weiß dann einfach "Die Schenk war ja auch mal Sportlerin, die weiß, wie man ich mich jetzt gerade fühle". Da spüre ich dann bisweilen bei meinen Interviews eine Art Vertrauensbonus. Natürlich muss ich dann besonders pfleglich mit diesem Bonus umgehen, denn den möchte ich um Himmels Willen nicht aufs Spiel setzen.
SPIEGEL ONLINE: Dank Ihres attraktiven Erscheinungsbildes gelten Sie als Sonnenschein auf dem Bildschirm. Bleibt da Platz für die Schattenseiten, die die Sportwelt immer häufiger auch kennt?
Schenk: Das glaube ich aber doch. Ich bin beim SWR Mainz, wir haben den Ringer Alexander Leipold in unserem Sendegebiet. Ich denke, ich war genauso enttäuscht über das, was da mit ihm oder durch ihn geschehen ist wie jeder andere auch. Es ist sehr schade, dass der Sport diese Entwicklung genommen hat, dass sich vieles nur noch um Doping, um Nandrolon und Kreatin dreht. Das ist nicht der Sport, den wir alle haben wollen.
SPIEGEL ONLINE: Wo ist die Grenze, an welcher Stelle hören Sie auf nachzufragen?
Schenk: Alles, was privat ist, sollte auch privat bleiben. Aber natürlich habe ich auch gelernt, dass gerade das Private das ist, was den Zuschauer interessiert. Und für den Zuschauer machen wir die Sendung schließlich. Wenn ich aber merke, dass einer keine Lust hat, über etwas zu reden, dann bohre ich auch nicht.
SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einen Interview-Wunschpartner?
Schenk: Jedenfalls keine Promi-Größen, wie zum Beispiel Boris Becker oder Steffi Graf. Am liebsten sind mir diejenigen, die noch relativ unbeleckt sind vom Medienbetrieb, von denen man noch nicht so viel weiß. Oft sind das die interessantesten Interviews, weil einfach auch Antworten kommen, die man nicht erwartet hat.
SPIEGEL ONLINE: Erscheinungsbild und Auftreten haben Ihnen nicht nur Werbeverträge eingebracht, sondern sicherlich auch geholfen, bei der ARD Fuß zu fassen. Spüren Sie Futterneid in der Redaktion oder auch, wenn Sie ehemalige Athleten treffen, die es nicht so weit gebracht haben?
Schenk: Ich hoffe, dass meine Kollegen akzeptieren können, dass man so eine Chance einfach wahrnehmen muss. Keiner würde sagen "Olympia, das lasse ich jetzt mal sausen". Da bitte ich einfach um Verständnis.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich zwar mal Silberfarbe auf die nackte Haut sprühen lassen, Angeboten des "Playboy" sich ganz auszuziehen, haben Sie aber widerstanden. Obwohl Sie als sehr eitel gelten, sind Sie über Ihre Entscheidung sicherlich froh angesichts der inflationären Nacktheit. Schließlich meint heute jedes TV-Sternchen sich ausziehen zu müssen?
Schenk: Wer ist nicht eitel? Das "Playboy"-Angebot hat mich damals amüsiert, war aber nie ein Thema für mich. Nacktheit ist genau der private Bereich, der die Öffentlichkeit nichts angeht. Das Foto mit der Silberfarbe hat einen ganz klaren sportlichen Charakter und hat mich auch in einer klassischen Eisschnelllauf-Position gezeigt. Was aber hätte es mit meinem Sport zu tun gehabt, wenn ich mich für den "Playboy" nackt am Strand geräkelt hätte?
Das Interview führte Andreas Kötter