Interview: Nur eine Pause kann "Big Brother" retten - DER SPIEGEL
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Interview Nur eine Pause kann "Big Brother" retten

"Besonders interessante Charaktere hatten wir in der dritten Staffel wohl nicht an Bord", meint "Big Brother"-Produzent Rainer Laux im Interview zum vorläufigen Ende des Container-Spektakels. Eine mögliche vierte Staffel soll in diesem Jahr nicht folgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - "Big Brother", die Fernseh-Show aus dem Container, schließt vorerst ihre Pforten. Am 12. Mai endet die dritte Staffel der bekannten Reality Soap. Wieder wird ein Kandidat nach 106 Tagen Dauerbeobachtung die Hürther TV-WG als Sieger verlassen - und wieder darf über zukünftige «Big Brother»-Projekte spekuliert werden. Produzent Rainer Laux äußert sich zu der Zukunft des Genres "Reality-Soap" und zum Flop der dritten Staffel.

Frage: Nach einem verheißungsvollen Beginn der dritten Staffel sind die "Big Brother"-Quoten nach und nach regelrecht abgestürzt. Was sind die Gründe dafür, dass die dritte Auflage der Show beim Publikum durchgefallen ist?

Rainer Laux: "Big Brother 3" kam definitiv zu schnell. 2000 war die Show noch etwas Einzigartiges und Neues. "Big Brother" war "must-TV" und man musste es sehen, um mitreden zu können. Als wir am 28. Januar 2001 die dritte Staffel ins Rennen schickten, waren die Kandidaten der ersten beiden Durchgänge noch in den Zuschauer-Köpfen und der Weg dementsprechend alles andere als frei den Erfolg neuer Gesichter. Hinzu kommt, dass im Reality Soap-Bereich unheimlich schlechte Formate überhastet auf den Markt geworfen wurden und damit das ganze Genre recht schnell einen negativen Touch bekam.

Frage: Auch die eingefleischten Fans wandten sich zunehmend von "Big Brother" ab.

Laux: Das kenne ich aus dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis. Das Format hatte einfach nichts Neues mehr zu bieten. Die Faszination des Alltäglichen war verblasst. Eine Pause von, sagen wir, drei bis vier Monaten, wäre sicherlich von Vorteil gewesen. Sie hätte mit Sicherheit die Gier und die Lust auf eine weitere "Big Brother"-Staffel geschürt.

Ein ganzes Jahr in den Container?

Frage: Vor Beginn der dritten Staffel planten sie neben einer Prominenten-Ausgabe sogar eine 365-Tage-Version der Container-Show. Wie sieht, angesichts des mangelnden Zuschauer-Zuspruchs, die "Big Brother"-Zukunft tatsächlich aus?

Laux: Die vierte reguläre Staffel visieren wir momentan für März 2002 an. Alle anderen Projekte liegen auf Eis, sind aber nicht völlig vom Tisch. Auch das Vorhaben "365 Tage-Big Brother" nicht. Diese Version ist eigentlich das "Big Brother"-Ursprungskonzept. Auch das Vorhaben ein "Promi-Big Brother" zu realisieren, haben wir nicht endgültig über Bord geworfen. Derzeit halten wir uns angesichts des rückläufigen Zuschauer-Interesses mit der Planung solcher Projekte aber zurück.

Laux: Nur in Deutschland weist die Quoten-Kurve nach unten

Frage: Endemol hat sich mit "Big Brother" weltweit einen Namen gemacht. Wie läuft das Format im Ausland?

Laux: Derzeit läuft "Big Brother" in 25 Ländern - und das mit durchgehend großem Erfolg. Dass in Deutschland die Quoten-Kurve derart rapide absackt, liegt meiner Ansicht nach lediglich daran, dass mit drei schnell aufeinanderfolgenden Staffeln der Reiz ebenso schnell verloren ging.

Frage: Ein möglicher Grund könnte auch sein, dass im deutschen Container einfach nichts Aufsehen Erregendes passiert?

Laux: So viel spektakulärer sind die europäischen Pendants auch nicht. Man hört zwar immer "In Spanien gibt's vor laufender Kamera Sex am laufenden Band!", "In Portugal fliegen Kandidaten raus, weil sie Frauen schlagen!" und "Sogar bei den drögen Dänen ist der Teufel los!". Man darf dabei aber nicht vergessen, dass das nur vereinzelte und ausgewählte Eindrücke sind, die wir hier mitbekommen. Im Übrigen bekommen wir aus dem Ausland immer wieder die Rückmeldung, dass es ja bei uns im Hürther Container richtig abginge. So schlecht schneiden wir im internationalen Vergleich also sicherlich nicht ab.

Frage: Einige Bewohner des "Big Brother"-Hauses sind durch die Show zu Stars geworden. Mit den Kandidaten der zweiten und vor allem der dritten Staffel sieht es dagegen mau aus. Hat das Publikum die Helden aus dem Container satt?

Laux: Nein, das glaube ich nicht. Leute wie Alex oder Christian sind ja immer noch angesagt. Ich glaube vielmehr, dass es sich bei "Big Brother" so verhält, wie bei jeder gewöhnlichen TV-Serie auch. Das Publikum zeigt eben nur Interesse an besonders interessanten Charakteren. Und davon hatten wir in der dritten "Big Brother"-Staffel wohl keinen an Bord.

Frage: Das TV-Genre Reality Soap befindet sich zweifellos auf dem absteigenden Ast. Schlechte Quoten auf allen Kanälen belegen das. Welche Entwicklung halten Sie auf absehbare Zeit für wahrscheinlich?

Laux: Meiner Meinung nach geht es mit dem Reality Soap-Genre keineswegs so steil bergab. "Big Brother" war ein regelrechter Straßenfeger, als wir im vergangenen Februar damit auf RTL 2 starteten. In den vergangenen Wochen sah es zugegebenermaßen nicht mehr so gut aus. Aber man darf nicht vergessen: "Big Brother" beschert RTL2 nach wie vor die beste Quote. Die Leute interessieren sich sehr wohl noch für das Leben anderer. Sie sind nur anspruchsvoller geworden und konsumieren nicht mehr blind jede Sendung, die als Reality Soap in den Programmzeitschriften vermerkt ist.

Frage: Welche Lehren haben Sie als Macher aus der aktuellen "Big Brother"-Staffel gezogen?

Laux: Für die Zukunft wird wichtig sein, dass Reality Soaps entsprechend Content bieten und nicht, wie viele überhastet gestartete Formate, den Zuschauer inhaltsleer für dumm verkaufen.

Frage: Welche Formate hält Endemol denn noch für den deutschen Markt in der Hinterhand?

Laux: Das nächste Projekt, das wir realisieren, ist "Big Diet". In unseren Augen steckt dahinter ein ebenso starkes wie mitreißendes Konzept. Sollte das Publikum die Sendung annehmen, werden wir bestimmt entsprechend reagieren - mit Sicherheit aber nicht übereilt.

Interview: Alexander Karnowski, ddp

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