Iris Berben: Phantasie ist mehr als ein "Knackarsch" - DER SPIEGEL
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Iris Berben Phantasie ist mehr als ein "Knackarsch"

Iris Berben und die Ambivalenz des Alterns: Alt will sie nicht werden, jung will sie nicht bleiben. So zwischen den Zeiten macht sie PR für ihr Buch "Älter werde ich später".
Von Alexander Schwabe
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Alt werden finde ich einfach Scheiße", sagte Iris Berben kürzlich zur "Bild"-Zeitung - und schob damit die Kampagne für ihr Buch "Älter werde ich später" an. Und weil sich Berben gegen den natürlichen Lauf der Zeit sträubt, kommt sie in dem Blatt auf ganz junge Ideen: "Wie wäre es, wenn wir unser Leben rückwärts leben würden? Wir kommen mit dem Tod auf die Welt und sterben bei der Zeugung. Dann würdest Du nicht älter, sondern jünger. Und du beendest dein Leben mit dem schärfsten Orgasmus aller Zeiten. Ja, das wär's."

Steigen wir also der Erde entkommen aus dem Sarg und begeben uns dann direkt ins Altersheim. So nach etwa 80 Jahren ständigen Strebens hin zu infantileren Verhaltensweisen kommen wir endlich in den Kindergarten, verlernen dann das Gehen, enden und verenden sprachlos und in Windeln gewickelt in der Babykrippe.

De facto nimmt die Zeit leider den umgekehrten Lauf. Daher ist es nützlich und gut, von Berben zu erfahren, was die Frau wenigstens tun kann, um ein ewiger Jungborn zu bleiben: Sie trinke täglich drei Liter Wasser (und, wie man sonst vernimmt, eine Flasche Rotwein), nehme Anti-Aging-Hormone (also Jung-bleib-Pillen) und belege ihr Gesicht regelmäßig mit Israel-Schlamm. Damit man oder Frau kein Doppelkinn bekomme, solle sie möglichst auf dem Rücken schlafen.

Ihr Badezimmer komme ihr vor wie eine Reparaturwerkstatt: "Auf jedem Tiegel steht repair drauf." Sie nehme Hormonpräparate, die in Amerika jede Frau ihres Alters nehme, sagt die 50-jährige Schauspielerin, und sei außerdem ständig unter ärztlicher Kontrolle.

Nun, ein paar Tage nach dem Gespräch mit "Bild" älter geworden, äußert sich Frau Berben wieder über ihr Alter. Die Münchner "Abendzeitung" titelt: "Iris Berben: Ich bin jetzt sexuell freier als früher" - und passend zu dieser Schlagzeile kommt, wie gesagt, ihr Buch auf den Markt. Sie habe in den vergangenen zehn Jahren eine "erhebliche Entwicklung" gemacht und habe gelernt, sich zu akzeptieren: "Ich bin heute meine beste Freundin."

"Ich biete mehr als einen Knackarsch"

Der ewig attraktive Glamour-Star preist nun die Segnungen der reiferen Jahre. "Ich biete mehr als einen Knackarsch." Sie sei eine sinnliche Frau, flirte gern: "Ein Augenpaar, das für eine Sekunde alles verspricht, das finde ich aufregend und erotisch." Ein großer Teil der Erotik finde in ihrem Kopf statt. Als junges Mädchen dagegen sei es ihr "unheimlich wichtig" gewesen, auf ihre "Knackbirne" hinzuweisen. Denn, so die Begründung, sie sei ein "Rührmichnichtan" gewesen, verklemmt und zurückhaltend. Heute dagegen tue es ihr gut, begehrt zu sein, sie fühle sich sexuell freier als früher.

Ihr zunehmendes Alter schlägt sich in ihrer Mode nieder. Miniröcke habe sie sich abgeschminkt, sagt Berben, "die trage ich seit zwei Jahren nicht mehr." Lieber provoziere sie mit High Heels und Rock über dem Knie. Zum ersten Mal seit 15 Jahren habe sie sich wieder eine Jeans gekauft "und habe einen solchen Knackarsch darin, einfach wow!" Der Rest spielt sich, wie gesagt, im Kopf ab.