Irkutsk-Überlebende: "Ich dachte, das war's dann wohl" - DER SPIEGEL
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Irkutsk-Überlebende "Ich dachte, das war's dann wohl"

Die deutsche Übersetzerin Carmen Vollmuth hatte mit ihrem Leben schon abgeschlossen, als sie in einem brennenden Airbus auf dem Flughafen von Irkutsk in einen Hangar raste. Mehr als 130 Menschen starben, Vollmuth überlebte - und berichtet nun vom Drama an Bord.
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Hamburg - Sie habe gedacht, ihr Leben sei zu Ende, weil eine Notausgangstür des brennenden Airbus A310 klemmte - so berichtet die deutsche Überlebende Carmen Vollmuth aus Stuttgart über die dramatischen letzten Minuten an Bord der Unglücksmaschine der russischen Fluglinie S7, die in der Nacht zu gestern auf dem Rollfeld des Flughafens im ostsibirischen Irkutsk in einen Hangar raste. Mehr als 130 Menschen kamen dabei ums Leben, möglicherweise ist unter den Toten auch eine Deutsche. Vier Menschen werden noch in den Trümmern vermisst.

Nach Angaben des Vaters Hugo Vollmuth gegenüber SPIEGEL ONLINE hatte die 33-jährige Übersetzerin sich in Irkutsk mit einer ukrainischen Freundin treffen wollen, um zehn Tage Urlaub am nahe gelegenen Baikalsee zu verbringen. Der Flug vom Moskauer Flughafen Domodedowo selbst sei problemlos verlaufen; nach dem Aufsetzen gegen 8 Uhr Ortszeit habe seine Tochter dann aber ein leichtes Schlingern der mit 203 Menschen besetzten Maschine registriert. Kurz danach sei der Jet zum Stillstand gekommen, allerdings ohne dass es zuvor zu einer Explosion gekommen sei, wie es zunächst gerüchteweise hieß. Ein Terrorakt wäre demnach auszuschließen.

Sofort habe sich der Airbus mit Rauch gefüllt, in der Maschine sei Panik ausgebrochen. Carmen Vollmuth habe neben dem Notausstieg über der Tragfläche gesessen und selbst versucht, die Tür zu öffnen. Die aber, so Hugo Vollmuth, habe sich nicht bewegt. "Ich dachte, das war's dann wohl", berichtete Vollmuth ihrem Vater nach dem Unglück aus dem Krankenhaus in Irkutsk. Sie habe in der rauchgefüllten Kabine kaum noch atmen können und sei nicht mehr bei vollem Bewusstsein gewesen. Dann aber habe sie einen Luftzug gespürt, weil ein Passagier oder Besatzungsmitglied die klemmende Tür doch noch aufbekommen habe.

Vollmuth lief dann nach Angaben ihres Vaters auf die in den Hangar ragende Tragfläche und kletterte an dem Gebäude herunter. Sie zog sich Verbrennungen an Armen und am Kopf zu - die Plastik-Deckenverkleidung habe sich in den Flammen aufgelöst und sei ihr auf Arme und Haar getropft. Außerdem erlitt sie eine Rauchvergiftung. Nach vorläufigen Erkenntnissen waren neben Vollmuth noch mindestens zwei weitere Deutsche an Bord, von denen ein Mann offenbar gerettet wurde, eine Frau möglicherweise ums Leben gekommen ist.

Carmen Vollmuth soll am Mittwoch wieder in Deutschland sein. Nach Angaben des Opferrechtsspezialisten Thomas Kämmer hat Vollmuths Krankenversicherung eine Übernahme der Kosten für den Rückflug mit ärztlicher Begleitung zugesagt.

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