Italien: Deutsches Mafia-Brettspiel »La Famiglia« sorgt für Kritik - DER SPIEGEL
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»La Famiglia« Deutsches Mafia-Brettspiel sorgt in Italien für Kritik

Von der Kritik gelobt, von der Schwester eines Mafiaopfers verurteilt: Das Brettspiel »La Famiglia« basiert auf wahren Ereignissen auf Sizilien. Der deutsche Erfinder des Spiels sieht kein Problem mit dem Konzept.
Brettspiel »La Famiglia – The Great Mafia War«
Brettspiel »La Famiglia – The Great Mafia War«

Brettspiel »La Famiglia – The Great Mafia War«

Foto: Boardgame Atelier

Zwei Teams treten gegeneinander an, um als Mafioso die Kontrolle über Sizilien zu übernehmen: Ein Brettspiel mit diesem Konzept hat in Italien für Aufruhr gesorgt. »Ich verstehe nicht, wie jemand auf die Idee kommen konnte, ein solches Spiel zu entwickeln«, sagte Maria Falcone, die Schwester des von der Mafia ermordeten Richters Giovanni Falcone, der Zeitung »Corriere della Sera« .

»La Famiglia – The Great Mafia War« wird vom deutschen Verlag Boardgame Atelier herausgegeben und basiert auf den Ereignissen des Zweiten großen Mafiakriegs in den Achtzigerjahren. In dem Spiel geht es nach Angaben des Herausgebers darum, »sechs verschiedene Mafiafamilien mit speziellen Fähigkeiten« gegeneinander einzusetzen. Über verschiedene Aktionen, darunter den Bau eines Drogenlabors oder den Einsatz von Kämpfern und Bomben, sollen die Spieler »so viele Regionen wie möglich dominieren«.

Spielautor sieht »das Problem nicht«

Laut Maria Falcone spielt das Spiel »mit den Gefühlen derer, die ihr Leben im Dienste des Staates verloren haben«. Die Mafia habe auf Sizilien nichts als Leid und Tod verursacht. »Ein solches Spiel beleidigt das Andenken all jener Menschen, die ihren Beitrag dazu geleistet haben, dieses Land frei zu machen«, so die 88-Jährige.

Der Autor des Spiels, Maximilian Maria Thiel, teilt auf eine Anfrage des SPIEGEL mit, dass der im Spiel dargestellte »interne Mafiakrieg« nichts mit den Morden an Richtern wie Giovanni Falcone oder Paolo Borsellino zu tun habe. Diese seien »zehn Jahre nach dem Ende der Mafiafehde« passiert. »Daher sehe ich das Problem nicht – abgesehen vom Thema, welches für einige ein Trigger zu sein scheint«, so Thiel. Das Spiel sei »bewusst sehr abstrakt gehalten« und verwende etwa Klötze statt Figuren, damit die darin ausgeführten Morde den Spielern »nicht bewusst werden«.

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Alessandro Di Leo, ein Regionalpolitiker der Partei Forza Italia, hat laut »Corriere della Sera« darum gebeten, den Verkauf des Spiels zu untersagen. »Dieses Produkt beleidigt nicht nur die Würde der Sizilianer, sondern entwertet auch das tägliche Engagement von Millionen von Bürgern, die für Gerechtigkeit in unserer Region kämpfen«, sagte er demnach. Kriminelle Werkzeuge wie Autobomben würden in dem Spiel verharmlost und »zu bloßen Spielzeugen degradiert«.

»La Famiglia« erschien 2024 und wurde kürzlich ins Italienische übersetzt. Zuvor hatte es das »Goldene Ass«, einen Kritikerpreis für Gesellschaftsspiele, gewonnen. Der Verlag Boardgame Atelier bietet das Spiel für 90 Euro zum Verkauf an.

esw