Italien Serienkiller plaudert im Familienfernsehen
Rom - "Ich verließ das Haus und entschied zu töten, so wie ich hätte entscheiden können, in ein Restaurant zu gehen", erzählte der zu 13 Mal lebenslänglich verurteilte Mörder Donato Bilancia den Kameras. Italien lauschte und geriet in Rage. Die Telefonhotlines glühten. Forderungen nach mehr Kontrolle im italienischen Fernsehen wurden laut.
Das Interview, Teil einer bunten Show, machte nicht nur die Zuschauer wütend. Auch die Präsidentin des TV-Senders, Lucia Annunziata, gab sich überrascht: "Es ist erschreckend, ein gefilmtes Geständnis eines Serienmörders beim staatlichen Vorzeige-Netzwerk zu sehen, in einer Show, die jeden Sonntag von Millionen von Familien eingeschaltet wird", sagte Annunziata. Sie wolle wissen, wer dafür verantwortlich sei. Daraufhin entbrannte ein Streit zwischen ihr und RAI-Generaldirektor Flavio Cattaneo.
In einem heute veröffentlichten Brief bezichtigt Annunziata ihn, sie am Telefon bedroht zu haben. So soll Cattaneo gesagt haben "Du wirst dafür bezahlen" und "Ich werde dir in den Arsch treten". Cattaneo dementierte die Drohungen und erklärte seinerseits, er hätte nur auf die "dauernde Provokation" reagiert.
Das Interview mit Bilancia, der gestanden hatte, unter anderem ein frisch verheiratetes Pärchen und vier Prostituierte umgebracht zu haben, heizt die Medien-Debatte in Italien noch weiter an.
Bereits zuvor hatte einer der drei Privatkanäle, die Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehören, mit der bilderreichen Show über Schönheits-Chirurgie "Scalpel! Nobody's perfect" die Gemüter erregt.
In einer anderen Show hatte sich kürzlich Außenminister Franco Frattini unbeliebt gemacht, als er den Namen der von irakischen Kidnappern getöteten italienischen Geisel bekannt gab, ohne vorher sicher zu gehen, ob die Familie des Mannes bereits davon erfahren hatte.