Italien und Schweiz Kampf gegen die Flutkatastrophe
Turin/Aosta/Gondo - Nach Angaben der Behörden vom Montagabend kamen im Norden Italiens bislang zwölf Menschen ums Leben, davon neun im Aosta-Tal, zwei im Piemont und ein Seemann in Ligurien. Im Schweizer Kanton Wallis war nach neuen offiziellen Angaben von zwei Toten die Rede; 13 Menschen galten dort noch als vermisst.
In dem Walliser Dorf Gondo waren am Abend noch immer rund 100 Helfer im Einsatz, um eine Frau aus dem Schuttkegel zu befreien, der am Samstag das halbe Dorf verschüttet hatte. Die Helfer konnten mit der Frau sprechen, die unter den Trümmern eines vierstöckigen Hauses liege, teilte die Polizei mit. Weitere Überlebende wurden bei den immer wieder von neuen Erdrutschen bedrohten Rettungsarbeiten nicht geortet.
Durch die Erdrutsche am Wochenende waren auch am Montag noch mehrere Täler in der Schweiz, darunter das Mattertal mit dem Skiort Zermatt, von der Außenwelt abgeschnitten. Auch viele Telefonverbindungen waren unterbrochen. Im Kanton Tessin war nach den heftigen Regenfällen des Wochenendes die Hochwassergefahr noch nicht gebannt. Der Pegel des Lago Maggiore erreichte Rekordniveau. In Locarno stand die Piazza Grande unter Wasser.
In Italien waren die Überschwemmungen des Flusses Dora Baltea im Aostatal am schlimmsten. Die Behörden sprachen von der schwersten Flutkatastrophe seit 1994, als fast 70 Menschen starben. Am schwersten traf es die Ortschaft Trino Vercellessi im Piemont: Die Menschen harren ohne Licht, Heizung und Telefon aus, das Wasser steht zwei bis vier Meter hoch in den Straßen.
In weiten Teilen des Piemont gab es Hamsterkäufe; viele Supermärkte wurden leergeräumt. Die Millionenstadt Turin war durch die Fluten nahezu von der Umwelt abgeschnitten. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Leitungswasser vor dem Trinken abzukochen. Die Fiat-Autowerke in Turin gaben 6000 Beschäftigten frei. Auch der Flughafen wurde geschlossen.