Fauna: Der Bär als Problem
Italiens Problembär Dino Hatz auf einen Internet-Star
In den italienischen Alpen einen Bären zu sichten, ist so außergewöhnlich nicht. Immer wieder wandern Exemplare aus dem benachbarten Slowenien ein. Seit einigen Jahren sollen die Tiere mit EU-Unterstützung im Alpenraum sogar regelrecht wiederangesiedelt werden, in Italien im Gebiet Trient-Friaul.
Doch der Petz, der derzeit die Gegend zwischen Belluno und Vicenza unsicher macht, ist ein unabhängiger Freigänger. Wahrscheinlich ist er schon im vergangenen Oktober über die Grenze gekommen, die Wissenschaftler schätzen sein Alter auf fünf Jahre und sein Gewicht auf 175 Kilo. Seither ist der Petz durch einen unter die Haut implantierten Chip gekennzeichnet, mit dem er via Satellit jederzeit geortet werden kann. Wissenschaftler haben ihm zudem das dürre Registraturzeichen M-5 verpasst.
Dass er trotzdem ein richtiges Wildtier ist, zeigt "Dino", wie er umgehend von den italienischen Medien getauft wurde, besonders durch sein Fressverhalten. Jetzt, im Frühling, knurrt dem Bären nach langem Winterschlaf ordentlich der Magen. Also tut er sich am Tierbestand der Region gütlich, dabei scheut er auch nicht vor Besuchen auf Bauernöfen zurück, wo er dann gern den einen oder anderen bequemen Snack in Hühnerform zu sich nimmt. Begreiflich, dass die Landwirte im Veneto nicht besonders begeistert sind.
Fanclub bei Facebook
Eigentlich sind die Bewohner in der Gegend durchaus an die zeitweilige Anwesenheit von Bären gewohnt, die meisten der Tiere halten sich allerdings auch von menschlichen Ansiedlungen fern. Zusätzlich werden die Anwohner im richtigen Umgang mit den Petzen geschult. Nicht davonlaufen, nicht schreien, das sind die Grundregeln im Falle einer unverhofften Begegnung.
Dino jedoch passt nicht ganz in dieses Konzept, zumal er sich nicht mit Federvieh begnügt, um seinen Hunger zu stillen. Auf seinem Speiseplan stehen auch große Vierbeiner bis hin zu Pferden. Und da hört für so manchen der Spaß auf. Jetzt hoffen alle, Bauern und Tierforscher, Dino möge sich bald trollen und das Gebiet wechseln. Doch bislang scheint er sich vor Ort recht wohl zu fühlen und macht keine Anstalten, umziehen zu wollen. Schon fordern Viehzüchter, dem Fressfest durch eine gezielte Kugel Einhalt zu gebieten.
Neben den Befürwortern eines Abschusses des potentiell auch für Menschen gefährlichen Räubers gibt es jedoch auch zahlreiche Unterstützer. Viele von ihnen haben sich beim Social Network Facebook zu einer Fanseite namens "Dino der Bär muss leben!" zusammengeschlossen.
"Schießen wir Dino den Bären ab!"
Am Dienstagmittag hatte die Gruppe knapp 10.000 Mitglieder, die auch fleißig debattieren. Die meisten schreiben Ermunterndes wie "Der Wald ist sein Zuhause. Finger weg von Dino!" oder "Wir stehen auf der Seite der Natur. Es lebe Dino!"
Zudem haben Witzbolde eine weitere Facebook-Seite eröffnet. Mit Blick auf die in der Region politisch beheimatete Lega Nord wird da ein Foto von gerissenen Eseln gezeigt und mit dem ätzenden Bild- und Gruppentitel garniert: "Dino der Bär frisst Esel. Vorsicht, Freunde der Lega!"
So mancher in Italien fühlt sich an die Ereignisse um "Problembär" Bruno erinnert, der vor vier Jahren den Alpenraum bis nach Bayern unsicher machte. Auch Bruno verköstigte sich damals am Viehbestand der Bauern. Schließlich wurde er von den Behörden als Gefahr für die öffentliche Sicherheit angesehen und Ende Juni 2006 trotz starker Proteste der Öffentlichkeit getötet.
Dino aber könnte sich demnächst ganz anderen Interessen zuwenden, als sich genüsslich den Bauch vollzuschlagen. Denn jetzt im Mai und noch bis Juni wandern Bären auf Freiersfüßen, auch Dino wird der Sinn nach einer Gefährtin stehen. Ob ihm dasselbe Schicksal blüht wie Bruno, ist also noch nicht ganz klar.
Die Sympathien in der italienischen Online-Öffentlichkeit scheinen zumindest eindeutig verteilt. Die - freilich nicht ganz ernst gemeinte - Facebook-Gruppe "Schießen wir Dino den Bären ab!" kommt gerade einmal auf 67 Mitglieder.