"Ivan" im Anzug: Alarmstimmung in New Orleans - DER SPIEGEL
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"Ivan" im Anzug Alarmstimmung in New Orleans

Nach seinem verheerenden Weg durch die Karibik wirbelt Hurrikan "Ivan" jetzt auf die USA zu. Zehntausende Menschen am Golf von Mexiko rüsten sich zur Flucht. In der Region New Orleans bereiten sich eine Million Einwohner darauf vor, ihre Häuser zu verlassen. Bisher riss "Ivan" 68 Menschen in den Tod.
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Washington - Von St. Marks bei Tallahassee in Florida bis zur Grenze zwischen Louisiana und Texas bereitet sich die Bevölkerung auf die Ankunft des Wirbelsturms vor, der zuvor auf Jamaika und Grenada Dutzende Menschen in den Tod gerissen und schwere Verwüstungen angerichtet hatte. Verängstigte Küstenbewohner verbarrikadierten die Fenster ihrer Häuser mit Brettern, packten ihr Hab und Gut und flohen. Einige Städte waren am Dienstag bereits verwaist.

Der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, rief den Notstand aus und appellierte dringend an die Bewohner, die Stadt zu verlassen. Die Mississippi-Metropole könnte im schlimmsten Fall wochenlang bis zu sechs Meter unter Wasser stehen und würde von Abwässern und Chemikalien überschwemmt, fürchten Experten. Betroffen wären mehr als 1,2 Millionen Menschen. Sämtliche Schulen wurden bereits geschlossen, die Schifffahrt auf dem unteren Mississippi komplett eingestellt.

New Orleans liegt an der Mündung des Stromes stellenweise drei Meter unter dem Meeresspiegel und muss daher ständig über ein kompliziertes System aus Kanälen und Pumpen entwässert werden. "Die Stadt ist wie eine Becken", sagte Nagin. Wer nicht fliehen könne, solle daher Schutz in hohen Gebäuden suchen. Zuletzt hatte 1965 ein Hurrikan einzelne Stadteile zwei Meter unter Wasser gesetzt.

Auf der wichtigsten Ausfallstraße Richtung Inland standen die Autos schon gestern Stoßstange an Stoßstange. Doch die Menschen ohne eigenen Wagen sind schlimmer dran: Etwa 100.000 Nichtmotorisierte müssen sich andere Fluchtmöglichkeiten erschließen - der Flughafen von New Orleans war am Dienstagabend aus Sicherheitsgründen geschlossen worden.

Am Golf von Mexiko wurden unterdessen Öl- und Gasanlagen abgebaut und Raffinerien geschlossen. US-Präsident George W. Bush beantragte beim Kongress weitere Finanzhilfen in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) für Florida, wo im August bereits Hurrikan "Charley" schwere Verwüstungen angerichtet hat.

Auf seinem Weg durch die Karibik hat der Killersturm "Ivan" bisher mindestens 68 Menschen das Leben gekostet. In Kuba wurden zahllose Bäume entwurzelt, Strommasten umgeworfen, Straßen und Wege unterbrochen und Häuser unter Wasser gesetzt. 1,9 Millionen der 11,2 Millionen Kubaner waren aus den gefährdeten Gebieten in Sicherheit gebracht worden, erklärte ein Sprecher des nationalen Zivilschutzes im staatlichen Fernsehen. Alle Flughäfen auf der Insel sollten bis Mittwoch geschlossen bleiben.

Staatschef Fidel Castro sagte, er werde wegen der Hurrikan-Schäden keine finanzielle Hilfe von den USA annehmen: "Wir werden keinen Penny von denen akzeptieren." Nach den Verwüstungen durch Hurrikan "Charley" vor vier Wochen hatte Washington Kuba Unterstützung in der eher symbolischen Höhe von 50.000 Dollar zugesagt. Vertreter der Vereinten Nationen lobten gestern, Kuba sei für den Hurrikan in vorbildlicher Weise gerüstet gewesen. Selbst reichere Länder könnten sich daran ein Beispiel nehmen, sagte Salvana Briceno, Direktor des UN-Büros für Katastrophenhilfe, in Genf.

Meteorologen erwarten, dass "Ivan" Morgen früh (Ortszeit) die US-Küste erreichen wird. Ob er die Küste in Louisiana, Alabama oder im nordwestlichen Teil Floridas trifft, blieb aber noch offen.