Izmir Drogenprozess gegen 18-jährige Berlinerin
Ankara/Berlin - Sie habe das bei ihr gefundene Heroin ohne ihr Wissen transportiert, sagte sie vor Gericht im westtürkischen Izmir. "Ich fragte mich, was in der Tasche war", hieß es in einem 16-seitigen Schreiben, das ein Übersetzer des deutschen Konsulats vortrug.
Ihr Anwalt, Ülkü Caner, sagte, die Berlinerin sei unschuldig. Andrea berichtete, eine Freundin, Nadine, habe ihr die Tasche mit dem Rauschgift gegeben. "Ich hatte Vertrauen zu ihr."
Zuvor habe sie mit der Freundin gemeinsame Pläne zum Geldverdienen geschmiedet. Die Initiative sei von Nadine ausgegangen. "Ich wollte hübsche Geschenke für meine Familie kaufen", sagte Andrea. Die Freundin habe ihr erzählt, sie könnten mit Reisen Geld verdienen. Die 18-Jährige war im Januar mit dem Heroin am Flughafen von Izmir festgenommen worden.
"Sie gab mir die Tasche und sagte, ich dürfe niemandem etwas erzählen." Nadine habe sie auch bedroht. Sie selbst habe die Tasche dann zurücklassen wollen. "Ich konnte das nicht, ohne befürchten zu müssen, getötet oder gequält zu werden." Nun sei sie froh, geschnappt worden zu sein. Andernfalls wäre Andrea nach eigenen Angaben erpressbar gewesen und zu weiterem Drogenschmuggel gezwungen worden.
Das Auswärtige Amt machte darauf aufmerksam, dass Andrea bei einem Schuldspruch die Haftstrafe möglicherweise auch in Deutschland verbüßen könnte. Andrea und die Türkei müssten dem zustimmen. Die 18-Jährige darf nach einem rund einmonatigen Prozess mit einer Strafe zwischen sechs und 15 Jahren rechnen.
Der deutsche Generalkonsul Manfred Unger beobachtet nach Angaben des Auswärtigen Amts den Prozess. Bislang sei die Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden sehr gut gewesen, hieß es in Berlin.