Jackson-Prozess Beobachter werten Kläger als glaubwürdig
Santa Maria - Es war Jacksons erste Begegnung mit dem Jungen, seit dieser 2003 mit seiner Familie die Neverland-Ranch verlassen hatte. Dort soll der Musiker den Minderjährigen mit Alkohol gefügig gemacht und dann sexuell missbraucht haben.
"Ja, das ist Michael Jackson", sagte der Jugendliche mit fester Stimme, als er zu Beginn seiner Aussage die Identität des weltberühmten Angeklagten bestätigen sollte, der drei Meter neben ihm im Gerichtssaal saß. Der Saal des Bezirksgerichts im kalifornischen Santa Maria war bis auf den letzten Platz gefüllt. Jackson habe ihn auf seine Ranch eingeladen, um dort in einem Dokumentarfilm über den Popstar mitzumachen, sagte der Junge. Dabei habe er vor laufender Kamera Dinge sagen müssen, die ihm der Popstar eingeflüstert habe.
Der im Februar 2003 ausgestrahlte Film des britischen Journalisten Martin Bashir ist eines der zentralen Beweismittel in dem Prozess. In dem Film ist zu sehen, wie sich der Popstar und der damals 13-jährige Junge Hand in Hand aneinander schmiegen.
"(Jackson) sagte so in etwa, 'Ich bringe dich zum Film und dies ist dein Vorsprechen'", sagte der Junge. "Er sagte mir, er wolle, dass ich bestimmte Dinge sage, dass ich sage, dass er mir geholfen hat und mich so ziemlich vom Krebs geheilt hat." Auf die Frage, ob dies wahr sei, sagte der Junge: "Nicht wirklich, weil er die meiste Zeit meiner Krebs-Krankheit noch nicht einmal da war."
Prozessbeobachter beschrieben den wichtigen Zeugen bei seinem ersten kurzen Auftritt vor Gericht als glaubwürdig und sympathisch. In der nur einstündigen Vernehmung kurz vor Ende des Verhandlungstages erzählte der Junge, dass Jackson ihm und seinem jüngeren Bruder schon beim ersten Neverland-Besuch pornografisches Material zeigte. Der Sänger habe ihn auch sofort darum gebeten, seine Eltern um Erlaubnis zu bitten, dass er in Jacksons Schlafzimmer übernachten dürfte, gab der 15-Jährige vor der Jury zu Protokoll.
Jackson wird vorgeworfen, den Kläger auf der Neverland-Ranch mit Alkohol gefügig gemacht und dann sexuell missbraucht zu haben. Der selbst ernannte King of Pop hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Seine Anwälte werfen der Mutter des Jungen vor, die Vorwürfe erfunden zu haben, um sich zu bereichern. Sollte Jackson in allen Anklagepunkten für schuldig befunden werden, drohen ihm mehr als 20 Jahre Haft.
Der heute 14-jährige Bruder des Klägers ist der zweite Belastungszeuge für die Vorfälle, die sich 2003 auf Jacksons Ranch in Kalifornien ereignet haben sollen. Er hatte bei seiner Befragung in den vergangenen Tagen den 46-jährigen Sänger schwer beschuldigt: Er habe beobachtet, wie sich Jackson zwei Mal selbst befriedigt und den schlafenden Bruder begrapscht habe. Jacksons Anwalt hat den Jungen als Lügner bezeichnet und ihm widersprüchliche Aussagen vorgeworfen. Widersprüche gab es unter anderem über angebliche Beobachtungen vor der Schlafzimmertür Jacksons. Der Junge hatte am Dienstag vor Gericht angegeben, er habe zwei Mal von der Tür aus heimlich beobachtet, wie Jackson im Frühjahr 2003 seinen Bruder unsittlich anfasste. Jacksons Anwalt präsentierte aber die Niederschrift einer früheren Aussage des Jungen bei der Polizei: Danach habe er nicht vor der Tür gestanden, sondern auf einer Couch gelegen und sich schlafend gestellt. Der Junge erklärte Widersprüche mit Nervosität. Auch der Schwester der beiden Jungen konnten Jacksons Verteidiger Ungereimtheiten in ihrer Aussage nachweisen.
Heute soll die Befragung des Jungen durch Staatsanwalt Tom Sneddon fortgesetzt werden.